oxfamBerlin. - Ohne dass ihnen Sicherheit und gleiche Rechte garantiert werden, wollen die nach Bangladesch geflüchteten Rohingyas nicht nach Myanmar zurückkehren. Dies dokumentiert der am Montag von Oxfam veröffentlichte Bericht "I still don’t feel safe to go home". Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation fordert von der Regierung in Myanmar, eine Rückkehr der vertriebenen Rohingyas in Sicherheit und Würde zu ermöglichen. Hierfür müssten ihnen dauerhaft gleiche staatsbürgerliche Rechte zugesprochen werden.

Für den Bericht hat Oxfam mit mehr als 200 Rohingya-Flüchtlingen gesprochen, die in Behelfsunterkünften in der südöstlichen Provinz Cox's Bazar in Bangladesch untergekommen sind. Einige waren bereits zum dritten Mal in ihrem Leben gezwungen, aus ihrem Heimatland zu fliehen. In Gruppendiskussionen und individuellen Tiefeninterviews erklärten alle Befragten, dass Frieden und gleiche Rechte für sie die Voraussetzung für eine Rückkehr seien, insbesondere das Recht zu arbeiten und frei zu reisen. Viele Befragte, insbesondere Frauen, sind stark traumatisiert, wurden vergewaltigt oder mussten mitansehen, wie ihre Angehörigen getötet wurden.

Stellvertretend für viele erklärte eine 20-jährige Geflüchtete: "Ich möchte zurück nach Hause, wenn wir dort als gleiche Staatsbürger behandelt werden, wenn die Gewalt endet, wenn Frauen nicht gefoltert und entführt werden, wenn wir endlich in Freiheit leben können". Und sie ergänzte: "Wenn wir gezwungen werden zu gehen, verbrennen wir uns selbst."

Dabei sind die Bedingungen in Bangladesch laut Oxfam katastrophal. Die Geflüchteten müssten in unsicheren, überfüllten Behelfsunterkünften hausen und seien der ständigen Gefahr ausgesetzt, entführt oder vergewaltigt zu werden. Alle Flüchtlinge, mit denen Oxfam gesprochen hat, erklärten, sie fürchteten insbesondere bei Nacht um ihre Sicherheit. Mehr als die Hälfte berichtete, Mädchen und Frauen seien von Fremden angesprochen worden und später verschwunden. Viele Frauen fürchten, ihnen könnte ähnliches passieren.

Paolo Lubrano, Oxfams Nothilfe-Koordinator für Asien, berichtete: "Die Menschen, mit denen wir gesprochen haben, sind schrecklich traumatisiert und nun mit neuen Gefahren in den Camps konfrontiert, von Menschenhandel bis sexualisierter Gewalt. Dass einige Flüchtlinge, vor allem Frauen, sagen, sie würden sich lieber umbringen als zurückzukehren, zeigt wie dringlich es ist, eine gerechte und dauerhafte Lösung für die jahrzehntelange Unterdrückung der Rohingyas zu finden. Internationale Regierungen und die Vereinten Nationen dürfen nicht länger untätig zusehen, wie Verbrechen gegen die Menschlichkeit ungestraft begangen werden. Nötig ist jetzt eine diplomatische Initiative gegenüber den Regierungen von Bangladesch und Myanmar, um diese Krise endlich zu beenden."

Bangladesch und Myanmar hatten kürzlich vereinbart, Ende Januar 2018 damit zu beginnen, Rohingya-Flüchtlinge zurück in ihr Heimatland zu bringen. Oxfam hatte gewarnt, dass die Bedingungen für eine sichere und freiwillige Rückkehr dort noch nicht gegeben seien. Die Vereinten Nationen müssten hier eine Führungsrolle übernehmen und sicherstellen, dass humanitäre Hilfe diejenigen erreicht, die sie brauchen.

Von den Behörden Myanmars fordert Oxfam, alles zu unternehmen, um die Gewalt zu beenden. Zudem müssten sie sich an ihre Zusage halten, die Empfehlungen der von Kofi Annan geleiteten Rakhine-Kommission umzusetzen. Diese hatte unter anderem erklärt, in Myanmar sollten für alle Menschen gleiche Rechte gelten.

Quelle: www.oxfam.de 


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