gfbvGöttingen. - Das schönste Weihnachtsgeschenk für die vier Millionen Südsudanesen auf der Flucht ist der Waffenstillstand, der von Heiligabend an gelten soll. Das hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Freitag berichtet. Die Konfliktparteien aus dem seit vier Jahren von einem Bürgerkrieg schwer gezeichneten Land haben sich am Donnerstagabend in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba darauf verständigt, dass vom 24. Dezember an die Waffen schweigen sollen. 

"Ob dies der große Durchbruch für einen dauerhaften Frieden wird, ist zwar noch unklar. Aber die Waffenruhe gibt Millionen vom Hunger bedrohten Südsudanesen zumindest eine wichtige Atempause und wird die humanitäre Versorgung der Not leidenden Zivilbevölkerung erleichtern", sagte GfbV-Direktor Ulrich Delius in Göttingen.

Die Vereinten Nationen hatten gewarnt, in den kommenden drei Monaten seien 1,25 Millionen Südsudanesen vom Hungertod bedroht, wenn der Bürgerkrieg nicht endlich beigelegt werde. Weitere drei Millionen der insgesamt elf Millionen Südsudanesen leiden unter akuter Mangelernährung. Die Zahl der vom Hunger bedrohten Südsudanesen ist im Jahr 2017 von 3,7 Millionen auf 4,1 Millionen gestiegen.

Vier Jahre lang haben reguläre Soldaten und Warlords im Südsudan systematisch Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen und den Schutz der ihnen anvertrauten Zivilbevölkerung ignoriert, so die GfbV. Internationale Katastrophenhilfe wurde von den Konfliktparteien immer wieder als Kriegswaffe missbraucht und humanitäre Helfer entführt oder ermordet. Erst am Donnerstag konnten sechs von Kämpfern verschleppte Mitarbeiter von Hilfsorganisationen gerettet werden. 

"Der Waffenstillstand ist eine gute Nachricht für den Südsudan. Doch mit Sorge verfolgen wir, dass die Waffenruhe nur zustande kam, als die US-Regierung massive Sanktionen androhte und die Wirtschaftslage immer katastrophaler wurde. Noch immer fehlt es den Konfliktparteien am echten Friedenswillen, obwohl die Zivilbevölkerung schon seit Jahren kriegsmüde ist", kritisierte Delius. Für die jetzige Waffenruhe hätten sich besonders die Afrikanische Union und die zwischenstaatliche Entwicklungsagentur IGAD eingesetzt.

Der Menschenrechtler gab jedoch zu bedenken, dass der Südsudan keine guten Erfahrungen mit vom Ausland aufgezwungenen Friedensschlüssen gemacht habe. "Nun wird es darauf ankommen, dass die internationale Staatengemeinschaft auf eine schnelle und konsequente Umsetzung der Waffenruhe dringt, damit dieser Frieden auch eine Zukunft hat."

Quelle: www.gfbv.de 


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