pro asyl Berlin. - Anlässlich des Weltkindertages am 1. Juni haben sich PRO ASYL, die Landesflüchtlingsräte, Jugendliche ohne Grenzen und der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gegen die Errichtung sogenannter AnkER-Einrichtungen gewandt. Studien von Verbänden und Organisationen und die Erfahrungen aus der Arbeits- und Beratungspraxis der Flüchtlingsräte zeigten, dass die Unterbringung von Kindern in großen Sammelunterkünften das Wohl der dort lebenden Kinder gefährde und elementare Rechte von Minderjährigen verletze, lautet die Begründung.

Die Aufnahme von Kinderrechten in das Grundgesetz, wie es CDU/CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben haben, sei zu begrüßen, so die NGOs. Überzeugen könne der Ansatz allerdings nur, wenn dieser auch diskriminierungsfrei für alle Kinder gilt - unabhängig von Herkunft und Aufenthaltsstatus.

Bereits jetzt sei der Alltag der Kinder und Jugendlichen in Erstaufnahmeeinrichtungen und Transitzentren, die als Vorbild der AnkER-Zentren dienen sollen, jedoch oft von beengten Wohnverhältnissen, fehlender Privatsphäre, dem Ausschluss von der Regelschule, unzureichender gesundheitlicher Versorgung sowie vom Nichtstun, vom Warten und dem Miterleben von Gewalt geprägt. Abschiebungen, die zum Teil mitten in der Nacht durchgeführt würden, sorgten für eine Situation der Schutzlosigkeit und Angst, kritisierten die NGOs. Sachleistungsversorgung, fehlende Therapieangebote und mangelnde Hygiene in Gemeinschaftsbädern verschärften vielerorts die Situation.

"Innen- und Heimatminister Horst Seehofer treibt die Isolation und Diskriminierung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen durch das Sondersystem der AnkER-Zentren weiter voran", heißt es in der Stellungnahme der NGOs. In den AnkER-Einrichtungen sollen die Aufnahme, die Alterseinschätzung von unbegleiteten Minderjährigen, Asylverfahren und die Abschiebung nach Ablehnung eines Asylantrages gebündelt werden. Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge drohe damit eine Unterbringung in Einrichtungen für und mit (fremden) Erwachsenen bis zu ihrer Inobhutnahme durch die Jugendämter. Dies widerspreche dem Minderjährigenschutz sowie dem Primat der Kinder- und Jugendhilfe und sei mit geltendem Recht nicht zu vereinbaren. 

Darüber hinaus sollen unbegleitete Minderjährige, deren Minderjährigkeit nicht anerkannt wird und begleitete Kinder und Jugendliche bis zu 18 Monaten oder länger in den AnkER-Einrichtungen verbleiben müssen. (Schutz-)Standards, die in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe gelten, würden nicht berücksichtigt.

"Der Aufenthalt in der Erstaufnahme macht Kinder krank. Viele von ihnen haben ihre Kindheit in Lagern verbracht – in der Türkei, im Sudan, in Libyen, in Griechenland, im Libanon. Sie hoffen auf Schule, ein Zuhause und Sicherheit. Was sie dann in Deutschland erwartet, sind neue Lager mit Stacheldraht", erklärte Jibran Khalil, Mitglied der Initiative Jugendliche ohne Grenzen, der eigene Erfahrungen im Erstaufnahmelager in Eisenhüttenstadt (Brandenburg) gemacht hat. "Die geplanten AnkER-Zentren, die die Kasernierung von Kindern und ihre Diskriminierung durch Sondergesetzgebungen auf die Spitze treiben, sind das Zeichen einer absoluten Verrohung der Politik."

PRO ASYL, die Landesflüchtlingsräte, der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Jugendliche ohne Grenzen fordern die Rechte von Kindern und Jugendlichen sowie ihr Wohl in allen flüchtlingspolitischen Erwägungen diskriminierungsfrei zu gewährleisten und die dezentrale Unterbringung von Geflüchteten in Wohnungen zu forcieren. Die Bundesländer sollten sich nicht am Pilot-Projekt der AnkER-Zentren beteiligen, lautet ihr Appell.

Quelle: www.proasyl.de 


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