misereorAachen. - Wetterextreme und zunehmende Unsicherheit in Teilen der Sahel-Zone, anhaltende Regenfälle in Kenia und hohe Lebensmittelpreise durch den Bürgerkrieg im Südsudan drohen Millionen Menschen in Afrika in eine akute Hungerkrise zu stürzen. MISEREOR fordert von der internationalen Gemeinschaft, dem Appell von Entwicklungsminister Gerd Müller zu folgen und umgehend einen UN-Krisenfonds zur Versorgung der notleidenden Bevölkerung einzurichten.

"Die Lage im Südsudan ist dramatisch: Der Großteil der Bevölkerung hungert, weil die Menschen wegen der Kämpfe ihre Felder jahrelang nicht bestellen konnten oder die importierten Lebensmittel extrem teuer sind", berichtete Maria Klatte, Leiterin der Abteilung Afrika und Naher Osten bei MISEREOR. Von zehn Millionen Südsudanesen seien rund sieben Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Diese werde zum Großteil nur noch von ausländischen Hilfsorganisationen gewährleistet. 

"Die von uns geförderten Schulen der Diözese Rumbek werden überrannt, weil die Kinder dort noch eine Mahlzeit am Tag bekommen. Über 100 Kinder gehen derzeit in eine Klasse“, sagte Klatte. In der Diözese Wau lebten auf dem diözesanen Verwaltungsgelände nach wie vor rund 10.000 Menschen, die vor Gewalt und Terror des Bürgerkriegs geflüchtet sind, unter schwierigsten Bedingungen.

In einigen Regionen Kenias verschlimmern die anhaltenden Regenfälle die Lage der Bevölkerung, die infolge mehrerer Dürrejahre bereits enorm geschwächt ist. "Drei Millionen Menschen hatten schon vor den Überschwemmungen nicht genügend Nahrung. Unsere Partner warnen vor weiteren hunderttausenden Hungernden, da der Regen auch die letzten Ernten und Felder zerstört hat", so Klatte. MISEREOR stellte der Diözese Marsabit im Rahmen einer Soforthilfe rund 80.000 Euro zur Verfügung - für Nahrungsmittel, Moskito-Netze und den Bau von Latrinen, um Malaria und Cholera vorzubeugen. 

Auch in Ländern des Sahel rechnen die Vereinten Nationen aufgrund unzureichender Regenfälle mit einer der schwersten Hungerperioden der letzten Jahre. Raymond Yoro Younoussi, Direktor von Caritas Niger, berichtete, dass die Lage der Bevölkerung alarmierend sei: "Trinkwasser geht aus, ganze Dörfer hungern, das Vieh - eine der wichtigsten Versorgungsquellen der Menschen - verendet. Nigrische Organisationen der Zivilgesellschaft haben bereits Ende vergangenen Jahres vor einer erneuten Hungerkrise gewarnt, doch der Staat hat viel zu spät reagiert", so Younoussi. Mehr als 270 Millionen Euro seien nötig, um Nothilfe leisten zu können. 

"Wir unterstützen Bundesentwicklungsminister Müllers Appell, die internationale Hilfe umgehend aufzustocken, damit nichtstaatliche Organisationen entlastet und hunderttausende Leben gerettet werden können", sagte Maria Klatte. Die Lage zeige jedoch auch, dass deutlich mehr politisches Engagement zugunsten einer langfristigen Stärkung der von Hunger geprägten Regionen Afrikas nötig sei. 

"Das in den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) formulierte Ziel, Hunger langfristig zu bekämpfen und wiederkehrende Ernährungskrisen zu vermeiden, kann nur erreicht werden, wenn die internationale Gemeinschaft in betroffenen Ländern wie dem Südsudan, dem Niger oder Kenia auf eine friedliche Lösung von Konflikten drängt und sich für eine Stabilisierung einsetzt. Um die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen nachhaltig zu verbessern, sollte die internationale Gemeinschaft kleinbäuerliche Produktionssysteme massiv stärken und sich entschieden für eine gerechte Handels- und Agrarpolitik einsetzen", so Klatte.

Quelle: www.misereor.de 


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