fianlogo klKöln. - Vom 24. bis 26. Juni treffen sich der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die brasilianische Confederação Nacional da Indústria (CNI) in Köln. FIAN Deutschland weist anlässlich der 36. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage auf gravierenden Menschenrechtsverletzungen durch die Agrar-Expansion in Brasilien hin, für die deutsche Investitionen und Importe mitverantwortlich seien.

Im vergangenen September hatten 30 Menschenrechts-ExpertInnen die sozialen, ökologischen und menschenrechtlichen Konsequenzen der massiven Ausweitung des Soja- und Zuckerrohr-Anbaus im Nordosten Brasiliens recherchiert. Dabei seien Landgrabbing, weit verbreitete Fälschungen von Landtiteln sowie schwere ökologische Schäden dokumentiert worden, so FIAN. Mitverantwortung hierfür trügen Investitionen internationaler Pensionskassen, unter anderem aus Deutschland, Schweden und den Niederlanden. Pensionsfonds, die weltweit über 40 Billionen US-Dollar halten, investierten seit rund zehn Jahren vermehrt in Agrarland.

Die Anbauflächen für Sojamonokulturen in Brasilien haben sich laut FIAN seit dem Jahr 2000 fast verdreifacht, was der anderthalbfachen Agrarfläche Deutschlands entspricht. Die Expansion führe zu Vertreibungen (besonders betroffen sind hiervon Indigene), dem Verlust der Artenvielfalt, Pestizidverunreinigungen, schwindenden Wasservorräten und Gesundheitsschäden. Dies füge sich in den weltweiten Trend, wonach Land mehr und mehr ein Renditeobjekt für internationales Finanzkapital darstelle und immer weniger für Ernährung und ein Auskommen lokaler Gemeinden zu Verfügung stehe.

FIAN Deutschland fordert eine staatliche Regulierung von Auslandsinvestitionen, speziell von Pensionsfonds: "Deutsche Aufsichtsbehörden dürfen nicht nur - wie bisher - den Werterhalt solcher Anlagen prüfen, sondern müssen sie auch auf die Einhaltung von Menschenrechten abklopfen und notfalls haftbar machen", sagte Roman Herre, Agrarreferent von FIAN.

Allein im vergangenen Jahr seien in Brasilien 70 Menschenrechts-VerteidigerInnen ermordet worden, häufig im Zusammenhang mit Landkonflikten, erklärte FIAN. Das häufig vorgebrachte Argument, die Agrarindustrie sei zentral für die Entwicklung Brasiliens, sei fadenscheinig. "Der größte Teil der landwirtschaftlichen Produktion Brasiliens dient dem Export von Agrarrohstoffen wie Soja, Mais und Zuckerrohr. Die Ausbreitung dieser Monokulturen dient lokalen Eliten sowie transnationalen Unternehmen wie BASF, Bayer oder Cargill, die die Märkte für Saatgut, Pflanzenschutzmittel, Dünger und Maschinen dominieren, nicht jedoch der örtlichen Bevölkerung", sagte Almudena Abascal, Lateinamerika-Referentin von FIAN. Allein im Bundesstaat Mato Grosso do Sul kämpften etwa 30.000 Indigene vom Volk der Guarani-Kaiowá um Zugang zu ihren traditionellen Gebieten. Sie seien in der Vergangenheit von ihrem Land vertrieben worden, um Platz für eine großflächige Landwirtschaft zu schaffen.

Quelle: www.fian.de 


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