urgewald neuBerlin. - Das Spitzenpersonal führender globaler Versicherungskonzerne diskutiert bis Mittwoch auf dem Global Insurance Forum in Berlin aktuelle Entwicklungen der Branche. Thema dürfte dabei auch die jüngst veröffentlichte Entscheidung des Schweizer Rückversicherers Swiss Re zu Kohle sein: Der Konzern will keine Versicherungen mehr für Firmen anbieten, die mehr als 30 Prozent ihres Geschäfts mit der klimaschädlichen Kohle machen. Auch Munich Re sollte umsteuern, fordert die Umweltorganisation urgewald.

Bereits im Mai und Juni hatten die deutschen Konzerne Allianz und Hannover Re teils deutliche Ein schnitte bei ihren Kohle-Geschäften angekündigt. "Ausgerechnet Munich Re als der Versicherer, der als erster vor den Gefahren des Klimawandels gewarnt hat, hinkt massiv hinterher", kritisierte Regine Richter, Energie-Campaignerin bei urgewald. "Dass direkte Konkurrenten wie Swiss Re und zum Teil auch Hannover Re bei Kohle vorangehen, sollte der Konzern nutzen, um ebenfalls umzusteuern."

urgewald hat zusammen mit AktivistInnen der internationalen Kampagne Unfriend Coal, des europäischen Netzwerks Europe Beyond Coal und der Kampagnenorganisation Avaaz eine Protestaktion vor dem Tagungsort, dem Berliner InterContinental Hotel, veranstaltet. Die Gruppen forderten von den Versicherern allgemein und insbesondere von Munich Re Taten für den Klimaschutz. Die Notwendigkeit zeige sich am Beispiel Polen: Seit vielen Jahren sei Munich Re einer der aktivsten Versicherer im polnischen Kohlesektor. Der Konzern sei unter anderem einer der größten Rückversicherer des staatlich kontrollierten Versicherers PZU, der als eine der tragenden Säulen der polnischen Kohlewirtschaft fungiere.

Neue Recherchen der Unfriend Coal Koalition zeigten, so urgewald, dass Ergo Hestia, ein Tochterunternehmen der Munich Re, seit 2013 mindestens 18 Versicherungsverträge für polnische Kohlefirmen abgeschlossen habe, unter anderem für das größte in Bau befindliche Kohlekraftwerk der EU im polnischen Opole. Jan Chudzyński von der polnischen NGO "Development Yes – Open-Pit-Mines NO" sagte: "Die Munich Re ist eine der Hauptverantwortlichen für die Kohleexpansion in Polen. Sie muss endlich aufhören, neue und bestehende Kraftwerke und Minen zu versichern. Vor allem die Rückversicherung der Kohlegeschäfte von PZU muss sie beenden, wenn ihr der Klimaschutz und die Gesundheit der Bevölkerung am Herzen liegen."

Lucie Pinson von der Kampagne Unfriend Coal betonte: "Kohle ist derzeit das bestimmende Umwelt- und Gesundheitsthema der Versicherungsbranche. Dennoch hinkt Munich Re der wachsenden Zahl von Versicherern hinterher, die den Kurs in Richtung nachhaltigerer Geschäfte abgesteckt haben. Auf äußeren Druck hin haben bereits 17 Versicherer Richtlinien gegen Kohle-Investitionen verabschiedet und dem Sektor rund 30 Milliarden US-Dollar entzogen. Allianz, AXA, SCOR, Zurich und nun auch Swiss Re gehen noch weiter und haben auch Kohle-Versicherungen eingeschränkt. Hoffentlich rüttelt das die Branchen-Lenker von Munich Re und anderen Versicherern in Berlin auf."

Quelle: www.urgewald.de 


Kommentare   

0 #1 J 2018-07-14 14:19
Wenn die Munich Re keine Unternehmen mehr versichert, die ihre Geschäft mit der Kohle mach, dann nutzen der Munich RE zukünftig auch ihre Policen gegen Klimaschäden weniger, die sogenannten Klimarisikoversicherungen.... Insofern erscheint die Inkohärenz hinsichtlich des Klimaschutzes des Unternehmens recht kohärent.
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