PIKPotsdam. - Ob Regen oder Sonnenschein - das Wetter im Sommer in Nordamerika, Europa und Teilen Asiens bleibt länger gleich. Doch wenn sich Wetterlagen für mehrere Tage oder Wochen festsetzen, können diese zu Extremen werden: Hitzewellen, die dann Dürren, Gesundheitsrisiken und Waldbrände zur Folge haben; oder anhaltende Regenfälle, die zu Überschwemmungen führen. Ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat nun den ersten umfassenden Überblick über die Forschung zu sommerlichen Blockade-Wetterlagen und Jetstream präsentiert.

Dabei richteten die Forscher den Blick besonders auf den Einfluss der übermäßigen Erwärmung der Arktis, die verursacht wird durch Treibhausgase aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Die Belege häufen sich, so zeigen die Forscher und Forscherinnen, dass wir dadurch wahrscheinlich die Zirkulationsmuster von Luftströmen hoch oben im Himmel zeitweilig verändern. Diese wiederum beeinflussen lokal und regional das Wetter - mit manchmal verheerenden Auswirkungen am Boden wie Waldbränden.

"Riesige Luftströme umkreisen unsere Erde in der oberen Troposphäre - wir sprechen von planetaren Wellen", erklärte Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). "Jetzt häufen sich die Beweise, dass die Menschheit diese gewaltigen Windströmungen durcheinander bringt. Angeheizt von den menschgemachten Treibhausgasemissionen, werden die natürlichen Zirkulationsmuster wahrscheinlich von der globalen Erwärmung verzerrt."

Normalerweise schwingen die Wellen, die Ketten von Hoch- und Tiefdruckgebieten transportieren, von West nach Ost zwischen dem Äquator und dem Nordpol. "Doch wenn sie durch einen subtilen Resonanzmechanismus festgehalten werden", so Schellnhuber, "verlangsamen sie sich, so dass das Wetter in einer bestimmten Region hängen bleibt. Regen kann dann zur Überschwemmung werden, sonnige Tage zu Hitzewellen, und zundertrockene Bedingungen zu Waldbränden."

"Im Sommer mehr sonniges Wetter zu haben, das klingt erstmal gar nicht schlecht, aber tatsächlich ist es ein erhebliches Risiko", erklärte Dim Coumou vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und der Vrije Universiteit Amsterdam, Leitautor der Studie. "Wir haben durch die vom Menschen verursachte globale Erwärmung ohnehin steigende Temperaturen, die Hitzewellen und starke Regenfälle verstärken. Zusätzlich kommen zu diesem Trend nun offenbar noch die dynamischen Veränderungen, die solche Wetterextreme weiter verschärfen - das ist leider ziemlich beunruhigend." Der aktuelle Sommer sei ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich Blockade-Wetterlagen auf Gesellschaften auswirken kann: Anhaltend heiße und trockene Bedingungen in Westeuropa, Russland und Teilen der USA bedrohen manche Ernteerträge in diesen für die ganze Welt wichtigen Kornkammern.

Für die jetzt veröffentlichte Studie hat ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die bestehende Forschung gesichtet und versucht, die verschiedenen Forschungsansätze miteinander zu verbinden. Dabei richteten Sie ihre Aufmerksamkeit vor allem auf den Arktis-Faktor. Im Zuge der globalen Erwärmung heizt sich die Arktis rascher auf als die übrige nördliche Erdhalbkugel. Dadurch verringert sich der Temperaturunterschied zwischen Nordpol und Äquator - und diese Temperaturdifferenz ist eine maßgeblich Antriebskraft für die großen Luftströme in der Atmosphäre.

"Es gibt inzwischen viele Studien, die auf eine häufigere oder verstärkte Blockade von Luftströmungen in den mittleren Breiten hinweisen - neben der arktischen Erwärmung könnte auch eine Verschiebung der Zugbahnen von Stürmen infolge des Klimawandels ein Faktor sein, ebenso so wie Veränderungen im tropischen Monsun", sagte Simon Wang von der Utah State University in den USA, Ko-Autor der Übersichtsstudie.

"Mit der der globalen Erwärmung wird sich der indische Sommermonsunregen wahrscheinlich verstärken, was sich auch auf die globalen Luftströme auswirken könnte, und letztlich zu weiteren Wetterblockaden beitragen könnte. Alle diese Mechanismen funktionieren nicht isoliert voneinander, sondern beeinflussen sich gegenseitig", so Wang. "Es gibt starke Belege dafür, dass die Winde, die mit Sommerwettersystemen einhergehen, schwächer werden. Und das kann mit so genannten verstärkten quasistationären Wellen interagieren. Diese kombinierten Effekte deuten darauf hin, dass Wetterlagen im Sommer auf der Nordhalbkugel länger andauern – und damit zu Extremwetter werden können."

Quelle: www.pik-potsdam.de 


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