gfbvBerlin. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat mehr Fortschritte bei der Ausarbeitung einer offiziellen Entschuldigung des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung für die in deutschen Namen begangenen Kolonialverbrechen im heutigen Namibia gefordert. "Die Erklärung ist längst überfällig, nachdem die Bundesregierung im Juli 2016 eingeräumt hat, dass kaiserliche Soldaten einen Genozid in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika zwischen 1904 und 1908 verübten", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius in Göttingen. Das Bündnis "Völkermord verjährt nicht!" will anlässlich der Rückgabe von Gebeinen von Völkermordopfern an die Regierung Namibias am Mittwoch Mahnwachen in mehreren deutschen Städten abhalten.

Ursprünglich war die Verabschiedung einer Entschuldigungs-Erklärung in der letzten Legislaturperiode des Parlaments geplant gewesen. Doch komplizierte Verhandlungen mit der Regierung Namibias verzögerten bis heute eine offizielle Entschuldigung Deutschlands, so die GfbV. Dem Vernichtungskrieg fielen während der Kolonialzeit rund 65.000 Herero und 10.000 Nama zum Opfer.

Die ausbleibende Entschuldigung des Bundestages überschattet auch eine für Mittwoch im Französischen Dom in Berlin geplante feierliche Rückgabe von Schädeln und Knochenteilen von Völkermordopfern an die Regierung Namibias. "Als Menschenrechtsorganisation begrüßen wir grundsätzlich die Rückgabe der Gebeine. Seit dem Jahr 2004 haben wir uns dafür eingesetzt. Anfangs leugnete die Berliner Universitätsklinik Charité sogar die Existenz der Schädel. Doch der Streit um die Bedingungen für eine Rückgabe der Schädel darf nicht die Aufarbeitung der Kolonialverbrechen behindern", sagte Delius. Die meisten sterblichen Überreste stammen aus Beständen der Charité sowie aus Sammlungen in Witzenhausen, Greifswald und Jena. Sie waren für Rasseforschungen genutzt worden.

Seit dem Jahr 2015 verhandeln die Regierungen Deutschlands und Namibias über eine offizielle Entschuldigung Deutschlands für die Genozid-Verbrechen. Immer wieder gerieten die Gespräche ins Stocken, so die GfbV, weil Nachkommen der Getöteten kritisierten, dass sie und ihre Interessen bei den Verhandlungen zwischen den Regierungen nicht ausreichend berücksichtigt würden und Deutschland nicht zu individuellen Schadensersatzzahlungen bereit sei.

Im Koalitionsvertrag hat sich die Bundesregierung dazu verpflichtet, die Erinnerung an Verbrechen der Kolonialzeit zu einem Teil der deutschen Gedenkkultur zu machen. "Für die Nachkommen der Opfer in Namibia ist dies ein wichtiges Zeichen. Sie warten seit langem vergeblich darauf, dass ihnen von ihrer Regierung und der deutschen Bundesregierung der notwendige Respekt entgegengebracht wird, um dieses dunkle Kapitel der Geschichte angemessen aufzuarbeiten", sagte Delius.

Die Nichtregierungsorganisationen des bundesweiten Bündnisses "Völkermord verjährt nicht!", die sich gemeinsam mit namibischen Opferverbänden seit Jahren nachdrücklich für die Rückführung dieser Gebeine einsetzen, wurden nach eigenen Angaben von den Veranstaltern des Gedenkgottesdienst von der Zeremonie ausgeschlossen. Trotz ihrer Versicherung, den Ablauf der Trauerveranstaltung im Französischen Dom nicht zu stören, fürchteten die verantwortlichen Regierungen und evangelischen Kirchen von Deutschland und Namibia Proteste, sollte sich die Bundesregierung auch bei dieser dritten Rückgabezeremonie für Gebeine von Kolonialopfern aus Namibia nicht für den Genozid an den Herero und Nama sowie für andere Kolonialverbrechen des Deutschen Reichs entschuldigen.

Das Bündnis "Völkermord verjährt nicht!" will deshalb am 29. August in Berlin, München und Leipzig Mahnwachen abhalten, die der namibischen Kolonialopfer gedenken und der Forderung nach einer Bitte um Entschuldigung durch die Bundesregierung Nachdruck verleihen sollen.

"Die Opfer des Völkermords an den Herero und Nama warten seit Jahrzehnten auf eine offizielle Entschuldigung von Seiten der deutschen Regierung. Angesichts der für rassistische Forschungen missbrauchten Gebeine ihrer ermordeten Ahnen darf ihnen diese nicht länger verwehrt werden", erklärte Christian Kopp vom Bündnis "Völkermord verjährt nicht". "Eine erneute Leugnung der historischen Verantwortung wäre eine Schande für Deutschland, das sich selbst gern als Aufarbeitungsweltmeister präsentiert."

Quelle: www.gfbv.de | berlin-postkolonial.de 


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