oxfamBerlin. - Die Zahl der zivilen Opfer im Jemen-Krieg hat im August einen neuen Höchststand erreicht. Schuld daran seien die Rücksichtslosigkeit der Kriegsparteien gegenüber Zivilisten und das Versagen der politischen Unterstützerstaaten, das Massensterben zu stoppen, kritisierte die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam anlässlich der am Donnerstag in Genf stattfindenden Friedensgespräche. Oxfam fordert, den Schutz von Zivilisten ganz oben auf die Agenda zu setzen.

Seit Beginn des Krieges im März 2015 sind nach Angaben der Vereinten Nationen über 17.000 Zivilistinnen und Zivilisten getötet oder verletzt worden, 981 starben allein im August, darunter über 300 Kinder, wobei die tatsächlichen Opferzahlen vermutlich höher liegen. Die beteiligten Kriegsparteien seien verantwortlich für andauernde Völkerrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen, so Oxfam.

"Im Jemen wird inzwischen auf alles und jeden geschossen", sagte Muhsin Siddiquey, Oxfams Landesdirektor im Jemen. "Menschen, die auf Hochzeiten, Beerdigungen oder zum Markt gehen, riskieren ihr Leben. Das Leid, dem die Menschen ausgesetzt werden, ist unerträglich, ein Angriff auf unsere gemeinsame Menschlichkeit. Die mächtigsten Staaten dieser Welt versagen dabei, für die Einhaltung ihrer Werte einzustehen. Es ist ein schändliches Kapitel doppelzüngiger Diplomatie, verdeckten Deals und offener Scheinheiligkeit. Im Jemen finden regelmäßig Kriegsverbrechen statt. Die Täter und direkt Beteiligten müssen hierfür zur Verantwortung gezogen werden. Das Massensterben muss enden."

Trotz der Zusicherung einer Feuerpause im Kampf um die Hafenstadt Al-Hudeida gab es Anfang August einen Mörserangriff auf einen belebten Markt, der 41 Zivilisten tötete – darunter sechs Kinder und vier Frauen. Weitere 111 Zivilisten wurden verletzt, so Oxfam. Auch bei einem weiteren Mörserangriff auf ein städtisches Krankenhaus kam es zu zivilen Opfern.

Am 9. August wurden Oxfam zufolge ein Markt und ein Bus mit Schulkindern bombardiert, wobei 100 Zivilisten zu Tode kamen, die meisten davon Jungen unter 13 Jahren. Innerhalb der folgenden Woche wurden bei einem weiteren Luftangriff mindestens 22 Kinder und vier Frauen getötet.

Ein UN-Bericht listet zahlreiche weitere Attacken auf: 16 Fischer wurden durch einen Luftangriff getötet, eine Frau durch einen Heckenschützen, zwei Kinder durch eine Streubombe. Schulen, Wohnhäuser, Bauernhöfe und andere Orte wurden angegriffen und viele unschuldige Familien getroffen.

Hilfsorganisationen hätten große Probleme vor Ort zu helfen, denn die Kämpfe und Straßenblockaden erschwerten ihre Arbeit, beklagt Oxfam. Zerstörte Wasserversorgungsanlagen und Sanitäreinrichtungen in Al-Hudeida sowie anderen Teilen des Landes führten dazu, dass Tausenden Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser haben und die Cholera-Gefahr steigt.

Quelle: www.oxfam.de 


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