WantedBerlin (epo). - Einen Tag vor der Aktionärshauptversammlung der Daimler Chrysler AG in Berlin haben die im Aktionsbündnis Landmine.de zusammengeschlossenen Nichtregierungsorganisationen (NRO) das Unternehmen aufgefordert, mehr unternehmerische Verantwortung zu entwickeln und sich nicht an Geschäften mit Landminen und Streumunition zu beteiligen. Die Daimler-Tochterfirma EADS sei nach wir vor an Unternehmen beteiligt, die Minen herstellen, erklärten die NRO.

Laut Recherchen von Landmine.de in aktuellen Firmen- und Fachpublikationen sowie in den Wirtschafts- und Patentdatenbanken des Europäischen Patentamtes ist die Daimler Chrysler-Tochterfirma EADS an einer Reihe von Unternehmen beteiligt, Panzerabwehrminen, Streumunition und dazugehörende Verlegesysteme (Dispenser) sowie Artillerieraketen entwickeln bzw. diese anbieten. Zu diesen Firmen gehörten MBDA, Diehl BGT, TDW, TDA Armaments und die RTG Euromunition.

"Wer wie die Daimler Chrysler AG oder auch ihre Tochter EADS den United Nations Global Compact unterzeichnet und sich damit verpflichtet, Menschenrechte zu achten, darf sich nicht an Geschäften mit Landminen und Streumunition beteiligen", sagte Thomas Küchenmeister vom Aktionsbündnis Landmine.de.

Das Aktionsbündnis betonte, die inakzeptablen humanitären Folgen, die mit dem Einsatz von Landminen und Streumunition verbunden seien, erforderten nicht nur die Einstellung aller diesbezüglichen Modernisierungs- und Einsatzpläne der Bundeswehr, sondern auch ein umfassendes Herstellungs- und Exportverbot für diese Waffen.

Fran?ois de Keersmaeker von Handicap International in Deutschland sagte: "Erst kürzlich ist in Belgien ein Verbot von Streumunition erlassen worden. Dies muss nun von ähnlichen Maßnahmen in Deutschland und anderen Ländern flankiert werden, allein um eine Verlagerung von Produktionsstätten zu verhindern." Betroffen vom neuen belgischen Gesetz sei die EADS-Tochter Forges Zeebrugge, die auch versucht habe, "das Gesetz zu kippen".

Einen Schwerpunkt der Daimler-EADS Aktivitäten bildet das MLRS-Programm, an dem fünf Länder (USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland) beteiligt sind. Der Einsatz des MLRS-Raketenwerfers (Multiple Launch Rocket System) in den zurückliegenden Golfkriegen forderte laut Human Rights Watch tausende zivile Opfer.

Der Raketenwerfer soll nun in Bezug auf Reichweite, Zielgenauigkeit und Zuverlässigkeit der Streumunition verbessert werden. Erste Tests der US-Armee haben nach Angaben der NRO aber gezeigt, dass auch die "verbesserten" MLRS-Raketen den Anforderungen offensichtlich nicht genügten. Laut US-Fachinformationsquellen (Defense News/Factiva) funktionierten nur 68% der Raketen "zuverlässig", zudem bereiteten hohe Blindgängerquoten der Streumunition weiterhin erhebliche Probleme.

Aktionsbündnis Landmine.de


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