gfbvGöttingen. - Die Behörden des Sudan blockieren soziale Medien, um regierungskritische Demonstranten an weiteren Protesten zu hindern. Am letzten Wochenende seien 28 Millionen Nutzer von Mobiltelefonen und 13 Millionen Internetnutzer von der Sperrung der wichtigsten Internet-Provider im Land betroffen gewesen, berichtete die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen. Mit gezielten Stromsperren hätten die Behörden zudem 45 Prozent aller Kommunikationseinrichtungen lahm gelegt.

"Mit der systematischen Blockade von Twitter, Facebook und anderen sozialen Medien will Sudans Diktator Omar Hassan al Bashir seinen Sturz verhindern. Deutlicher kann der Präsident nicht zeigen, wie wenig er zu Reformen bereit ist", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius. "Die Demonstrationen werden durch die Sperrung dieser Medien aber nicht nachlassen."

Die GfbV kritisierte nachdrücklich die schleppende Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft auf die seit dem 19. Dezember 2018 anhaltenden Proteste. Während die Massenproteste in Venezuela offen von EU-Regierungen und den USA unterstützt würden, ignoriere der Westen die Proteste junger Menschen, hunderttausender Frauen, Christen und liberaler Sufis im Sudan weitgehend.

"Die Doppelmoral der Europäischen Union und der USA ist schwer erträglich. Denn auch Sudanesen haben nach 30 Jahren Diktatur einen Anspruch auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit", sagte Delius. Bei den Protesten wurden allein am letzten Wochenende sechs Menschen getötet und 2.496 Personen festgenommen. Damit kamen bei der Niederschlagung der Demonstrationen insgesamt 66 Menschen ums Leben. Die EU dürfe zu dieser Situation nicht schweigen, nur um ihre Kooperation mit der sudanesischen Regierung bei der Abwehr von Migranten zu sichern.

Bei der Niederschlagung der Proteste würden auch paramilitärische "Rapid Support Forces (RSF)" eingesetzt, die dem Nationalen Geheimdienst unterstehen, so die GfbV. Ein Großteil der RSF-Kämpfer sei an den Völkermordverbrechen in Darfur (2003-2018) beteiligt gewesen. Mit Wissen der EU patrouillierten diese Milizen entlang der Staatsgrenzen, um Menschen an der Flucht nach Europa zu hindern. Die Proteste beschränken sich indes nicht nur auf die Hauptstadt Khartum: Auch in den Bürgerkriegsgebieten Darfurs, der Nuba-Berge und des Blauen Nil gingen die Menschen auf die Straße.

Quelle: www.gfbv.de 


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