forum fairer handel 200Berlin. - Im Geschäftsjahr 2018 haben die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland 1,7 Milliarden Euro für Produkte aus Fairem Handel ausgegeben. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Zuwachs von 15 Prozent. Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich der Umsatz im Fairen Handel mehr als verdoppelt. Das hat das Forum Fairer Handel am Mittwoch in Berlin bekannt gegeben.

"Diese positive Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin geschätzte 99 Prozent des Handels nicht fair sind. Dieser geht noch viel zu häufig zu Lasten von Mensch und Umwelt", erklärte Manuel Blendin, Geschäftsführer des Forums Fairer Handel. Das betreffe insbesondere KleinbäuerInnen und deren Familien im Globalen Süden, aber auch die bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland und Europa.

Im Durchschnitt gaben die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland 2018 pro Kopf 20,50 Euro für faire Lebensmittel, Textilien und Handwerksprodukte aus. Mit 1,36 Milliarden Euro trug das Fairtrade-Produktsiegel den größten Anteil zum Gesamtumsatz bei. Die anerkannten Fair-Handels-Unternehmen vertrieben im vergangenen Jahr fair gehandelte Waren im Wert von 209 Millionen Euro. Sie sind ausschließlich im Fairen Handel tätig und folgen mit ihrer Unternehmenspolitik seinen international definierten Grundsätzen. In den Weltläden, den Fachgeschäften des Fairen Handels, wurden Waren im Wert von 78 Millionen Euro verkauft.

"Auch hierzulande kämpfen angesichts des Preisdrucks, den die großen Einzelhandelskonzerne erzeugen, kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe um ihre Existenz", sagte Manuel Blendin. "Weil faire Preise und eine wirtschaftliche Perspektive keine Frage der Geografie, sondern der Gerechtigkeit sind, gewinnt der Faire Handel als Alternative auch im Globalen Norden an Bedeutung."

2018 wurden fair gehandelte landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Europa im Wert von 112,7 Millionen Euro verkauft. "Fairer Handel heißt für mich, von der Arbeit, die ich liebe, auch vernünftig leben zu können. Dazu gehört vor allem auch Planungssicherheit. Damit auch die nächste Generation eine Perspektive auf dem Hof hat", erklärte Naturland Bauer Jakob Sichler. Er liefert seine Milch an die genossenschaftlich organisierte Molkerei Berchtesgadener Land und erhält dafür überdurchschnittliche Preise – denn seine Milch steht später mit dem Naturland Fair Zeichen im Kühlregal. Die Molkerei nimmt auch kleinen Bauernhöfen in entlegenen und schwer erreichbaren Bergregionen die Milch ab und sichert so den Fortbestand kleinbäuerlicher Landwirtschaft in der Region.

Mit einem Anteil von 32 Prozent ist Kaffee weiterhin das umsatzstärkste Produkt im Fairen Handel. Im Geschäftsjahr 2018 ist der Absatz von fairem Röstkaffee in Deutschland um neun Prozent gewachsen. Damit stammt jede zwanzigste Tasse Kaffee, die in Deutschland getrunken wird, aus Fairem Handel.

Wie weit der Weg zu gerechten Handelsstrukturen dennoch ist, verdeutlicht die prekäre Situation der KaffeebäuerInnen weltweit. Angesichts von Niedrigpreisen auf dem Weltmarkt können über die Hälfte von ihnen im konventionellen Handel nicht einmal ihre Produktionskosten decken. Die Situation für KaffeebäuerInnen ist schon seit Jahrzehnten angespannt, hat sich im vergangenen Jahr jedoch noch einmal deutlich verschlechtert. Das hat zum einen mit den negativen Auswirkungen des Klimawandels zu tun. Zum anderen sorgte ein weltweiter Produktionsanstieg – getrieben durch wachsende Erträge in Anbauländern wie Brasilien und Vietnam – für einen Verfall des Börsenpreises. Die Preisschwankungen werden durch Spekulationen auf den Kaffeepreis potenziert. Vor diesem Hintergrund geben immer mehr Produzenten den Kaffeeanbau auf und sehen Migration als einzigen Ausweg.

"Während sich die Produzent*innen in einer existenziellen Krise befinden, streichen die großen Röster und Händler mit Kaffee stetig wachsende Gewinne ein", erklärte Manuel Blendin. Das sei leider keine neue Entwicklung: Die Studie "Kaffee: Eine Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise" belege, dass die Wertschöpfung bei Röstern und Händlern in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren um 139 Prozent stieg, während sie in den Produktionsländern um zehn Prozent gesunken ist.

In punkto Absatz belegen weiterhin Bananen den ersten Platz im Fairen Handel. Mit rund 95.000 Tonnen haben sie in Deutschland einen Marktanteil von rund 14 % erreicht. Doch dieser positiven Entwicklung steht der harte Preiskampf entgegen, den sich die Lebensmitteleinzelhandels-Riesen um die Lieblingsfrucht der Deutschen liefern. ProduzentInnen, die ihre Bananen zu Fairtrade-Konditionen oder an Fair-Handels-Unternehmen wie BanaFair verkaufen, profitieren von besseren Preisen und verlässlichen Handelspartnerschaften. Für die Mehrheit der BananenbäuerInnen und PlantagenarbeiterInnen sind Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen jedoch an der Tagesordnung.

Quelle: www.forum-fairer-handel.de 


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