aertze o gBerlin. - Nach dem Luftangriff auf ein Internierungslager in Tripolis mit etwa 60 Toten Anfang Juli hat die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen die Bundesregierung jetzt aufgefordert, Schutzsuchende aus Libyen in Sicherheit zu bringen. Das völkerrechtswidrige Zurückbringen von Bootsflüchtlingen nach Libyen durch die EU-unterstützte libysche Küstenwache müsse beendet werden.

3.800 Menschen befänden sich alleine in den offiziellen Internierungslagern nahe der Frontlinien in und um Tripolis in akuter Gefahr, so Ärzte ohne Grenzen. Einige seien in unmittelbarer Nähe militärischer Einrichtungen gefangen und deshalb besonders gefährdet.

"Wir rufen die Bundesregierung dringend dazu auf, die Appelle des UN-Flüchtlingshilfswerks, des Papstes und von Bundes- sowie Landespolitikern ernst zu nehmen und jetzt Evakuierungsflüge für die im Kriegsgebiet gefangenen Geflüchteten und Migranten zu organisieren", sagte Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. "Das muss umgehend geschehen, bevor der nächste Luftangriff einschlägt. Die Bundesregierung ist wie die anderen EU-Staaten mitverantwortlich dafür, dass Flüchtlinge und Migranten von der libyschen Küstenwache in die Internierungslager inmitten des Kampfgebiets in Libyen zurückgebracht werden. Damit trifft die Bundesregierung auch eine Mitverantwortung für die Sicherheit der dort festgehaltenen Menschen."

Ein Team von Ärzte ohne Grenzen hat in den Tagen direkt nach dem tödlichen Luftangriff auf das Internierungslager Tadschura nahe einer Militärbasis östlich von Tripolis Überlebende medizinisch behandelt und psychologisch betreut sowie mit Nahrungsmitteln und Wasser versorgt. Die weiterhin gefangenen Menschen waren extrem verängstigt und verzweifelt durch die Erfahrung, in hilfloser Lage bombardiert zu werden und den Tod vieler Menschen mitansehen zu müssen.

In der vergangenen Woche brachte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mehr als 100 besonders schutzbedürftige Überlebende in das Ausreiselager der Organisation in Tripolis. Die übrigen Flüchtlinge und Migranten aus Tadschura wurden von den libyschen Behörden freigelassen. Etwa 300 von ihnen suchten zu Fuß im Ausreiselager Schutz und wurden ebenfalls dort untergebracht. Das Lager ist mit 900 Bewohnern am Rande seiner Kapazität. Das UNHCR erklärte, sowohl das Ausreiselager als auch das Transitzentrum in Niger, in dem zwischen 1.000 und 1.500 Menschen untergebracht werden können, seien voll. Die Organisation forderte die Staatengemeinschaft auf, Plätze für Evakuierungen aus Libyen und Niger zur Verfügung zu stellen.

Trotz des tödlichen Luftangriffs habe die libysche Küstenwache vergangene Woche erneut Dutzende Menschen, die sie auf dem Mittelmeer aufgegriffen hatte, nach Tadschura gebracht, so Ärzte ohne Grenzen. Die Hilfsorganisation fordert, das Internierungslager, das sich in unmittelbarer Umgebung von Militäreinrichtungen befindet, sofort zu schließen und die Menschen aus Libyen in Sicherheit zu bringen.

Quelle: www.aerzte-ohne-grenzen.de 


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