oxfamBerlin. - Vor einem Jahr wurden im Jemen bei einem Luftangriff auf einen Schulbus in der nordwestlichen Provinz Sa'ada 41 Schulkinder getötet und fast 600 verletzt. Seitdem sind 335 weitere Kinder durch Luftangriffe, Landminen und Granaten getötet und 590 zum Teil schwer verletzt worden. Darauf hat die internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam hingewiesen. Oxfam kritisiert den andauernden Waffenhandel mit Ländern der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition. Von der Bundesregierung fordert Oxfam, den Exportstopp für Waffenlieferungen zu verlängern und konsequenter umzusetzen.

Laut aktueller Daten steigt die Zahl der Kinder, die im Jemen-Krieg getötet oder verletzt werden. Erst vergangene Woche kamen bei einem Angriff auf einen Markt in Sa'ada mindestens zehn Zivilpersonen ums Leben, darunter auch Kinder. Im Gouvernement Taizz wurden fünf Kinder durch Granaten verletzt. Bei Luft- und Granatenangriffen in Al Dale'e im Mai wurden zehn Kinder getötet, im März zudem fünf Kinder in der Stadt Taizz sowie 14 Kinder bei einem Angriff auf den Bezirk Kushar im Gouvernement Haddscha. Im Laufe der vergangenen zwölf Monate gab es zudem 30 Angriffe auf Schulen und 18 auf Krankenhäuser.

Muhsin Siddiquey, Landesdirektor von Oxfam im Jemen, erklärte: "Im Jemen befinden sich Kinder in der vordersten Schusslinie – siebzig Jahre nach den Genfer Konventionen, deren Ziel es ist, Menschen zu schützen, die nicht oder nicht mehr an Kampfhandlungen beteiligt sind. Oberste Priorität der internationalen Gemeinschaft muss es sein, die jemenitische Zivilbevölkerung zu schützen und diesen sinnlosen Krieg zu beenden, nicht durch Waffengeschäfte Profit aus diesem blutigen Krieg zu schlagen."

Oxfam fordert von der internationalen Gemeinschaft, Waffenverkäufe an Saudi-Arabien und seine Verbündeten im Jemen-Krieg einzustellen. Dies gilt auch für die Bundesregierung, die zwar nach der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im November 2018 einen Exportstopp verhängte, jedoch im laufenden Jahr Exportgenehmigungen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro an diverse Mitglieder der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition genehmigte. "Die Bundesregierung macht sich mit dieser doppelbödigen Politik unglaubwürdig. Sie muss den im September auslaufenden Exportstopp verlängern und zudem konsequenter umsetzen“, forderte Jörn Kalinski, Leiter Entwicklungspolitik und Kampagnen bei Oxfam Deutschland.

Der Konflikt zwischen den Huthis und der international anerkannten Regierung, die von einer von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition unterstützt wird, dauert inzwischen über vier Jahre an. Bei Verhandlungen im vergangenen Dezember in Stockholm haben die Kriegsparteien einen Waffenstillstand für die strategisch wichtige Hafenstadt Al-Hudaida vereinbart. Doch dessen Umsetzung verzögert sich, weil sich die Kriegsparteien gegenseitig Verstöße gegen das Stockholmer Abkommen vorwerfen.

Quelle: www.oxfam.de 


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