mccBerlin. - Das im Weltklimaabkommen von Paris 2015 verabredete Ziel, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen, stellt viele ärmere Länder vor ein Dilemma: Treibhausgas-Emissionen begrenzen oder Armut verringern? Denn bisher lieferte in der Regel der Ausbau der Kohlewirtschaft einen entscheidenden Impuls für Industrialisierung und Wohlstand. Die Vorstellung, man müsse im Süden der Erdhalbkugel jetzt einfach nur überall Windräder und Solarzellen aufstellen, "ignoriert die historische Bedeutung und die einzigartigen Spillover-Efekte von kohlebasierten Technologien". Zu diesem Schluss kommt ein Team von Wissenschaftlern, überwiegend vom Berliner Klimaforschungsinstitut MCC (Mercator Institute on Global Commons and Climate Change).

In der Untersuchung wird statistisch belegt, dass das Muster der wirtschaftlichen Entwicklung über Jahrhunderte recht konstant war: Ab einem bestimmten Punkt setzten Länder massiv auf Kohle – und in der Folge gab es zwar Schäden für die Umwelt und auch soziale Spannungen, aber letztlich auch einen massiven Wohlstandsanstieg. Der empirische Zusammenhang ist bis heute sichtbar, etwa in China, Indonesien oder Vietnam.

"Kohle war bisher nicht nur als billiger und reichlich verfügbarer Energieträger wichtig", betontE Matthias Kalkuhl, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Wirtschaftswachstum und menschliche Entwicklung und einer der Autoren des Beitrags. "Die Nutzung der Kohle löste auch grundlegende Investitionen in Transportwege aus, etwa Kanäle oder Eisenbahnlinien, die anschließend die Transportkosten senkten, Märkte vergrößerten und die Produktivität erhöhten."

Vor diesem Hintergrund, so das Fazit, sei eine Gigawattstunde aus erneuerbaren Quellen womöglich nicht das Gleiche wie eine Gigawattstunde aus Kohlestrom. "Ein erfolgreicher weltweiter Kohleausstieg erfordert neue Konzepte von Industrialisierung", sagte Jan Steckel, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Klimaschutz und Entwicklung und ebenfalls einer der Autoren. "Das ist ein wichtiges, noch spärlich beackertes Feld der wissenschaftlichen Forschung – und es lässt sich schon skizzieren, wohin die Reise geht: gezielte Investitionen in die Infrastruktur, ökonomische Anreize für emissionsarme Technologien und die Bepreisung des Klimagases CO2."

Das MCC erforscht nachhaltiges Wirtschaften sowie die Nutzung von Gemeinschaftsgütern wie globalen Umweltsystemen und sozialen Infrastrukturen vor dem Hintergrund des Klimawandels. Unsere sieben Arbeitsgruppen forschen zu den Themen Wirtschaftswachstum und -entwicklung, Ressourcen und Internationaler Handel, Städte und Infrastrukturen, Governance sowie wissenschaftliche Politikberatung. Das MCC ist eine gemeinsame Gründung der Stiftung Mercator und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Quelle: www.mcc-berlin.net 


Back to Top
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok