oxfamBerlin. - Die auf den griechischen Inseln festsitzenden Geflüchteten brauchen dringend Nothilfe und Unterstützung. Gerade angesichts der Corona-Krise darf die griechische Regierung den Asylsuchenden weder den Schutz verweigern, noch sie dorthin zurückschicken, wo ihr Leben und ihre Freiheit bedroht sind. Das fordern die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam und der Griechische Flüchtlingsrat (GCR) in einem neuen Bericht über die Situation im Camp Moria auf der Insel Lesbos. Zudem warnen die beiden Organisationen, dass der jüngste Streit der Europäischen Union mit der Türkei die Situation auf den griechischen Inseln weiter verschärfen wird.

Das EU-Türkei-Abkommen, das vor genau vier Jahren in Kraft trat, habe dazu geführt, dass etwa 40.000 Asylsuchende unter entsetzlichen Bedingungen in fünf Flüchtlingscamps auf den griechischen Inseln festsitzen, so Oxfam. Das sei mehr als das Sechsfache der offiziellen Kapazität dieser Camps. Oxfam und der Griechische Flüchtlingsrat forderten die griechische Regierung auf, ihre Pläne zum Bau neuer, gefängnisähnlicher Lager auf den Inseln aufzugeben. Die übrigen EU-Mitgliedstaaten müssten zum Ende des Leidens auf den griechischen Inseln beitragen, indem sie gemeinsam Verantwortung für Menschen, die in Europa Asyl suchen, übernehmen und dies nicht allein Griechenland überlassen.

Die Menschen in den Flüchtlingslagern auf den Ägäischen Inseln hätten keinen ausreichenden Zugang zu Toiletten, Duschen oder Warmwasser, heißt es in dem Bericht. Viele von ihnen seien aufgrund der unangemessenen Lebensbedingungen bereits in einem geschwächten und gefährdeten Zustand und hätten nur sehr begrenzten Zugang selbst zu medizinischer Grundversorgung. Sie in diesen unhygienischen und unsicheren Bedingungen gefangen zu lassen, sei nicht nur eine Verletzung der Menschenrechte, sondern berge auch das Risiko einer verheerenden Gesundheitskrise, wenn COVID-19 diese Lager erreicht.

"Die aktuelle Krise ist eine unmittelbare Folge des Abkommens zwischen der EU und der Türkei, bei der Menschen, die vor allem Schutz und Sicherheit brauchen, für politische Zwecke missbraucht werden. Das ist völlig inakzeptabel und gegen das Völkerrecht und auch das europäische Recht", erklärte Spyros-Vlad Oikonomou vom Griechischen Flüchtlingsrat.

"Während aufgrund der Corona-Krise aktuell viele Unsicherheiten mit Blick auf die Zukunft bestehen, ist es dennoch entscheidend, dass die europäischen Regierungen weiterhin die Schwächsten schützen und ihr Versprechen einhalten, den Kindern Sicherheit zu bieten“, sagte Raphael Shilhav von Oxfam.

In ihrem neuen Bericht untersuchen Oxfam und der Griechische Flüchtlingsrat die verheerenden Zustände im Camp von Moria auf Lesbos. Erst am Montag war dort ein großer Brand ausgebrochen. In dem Lager sind fast 20.000 Menschen untergebracht, fast siebenmal so viele wie die offizielle Kapazität. Mehr als zwei von fünf Menschen im Camp sind Kinder. 60 Prozent von ihnen sind jünger als 12 Jahre, und 15 Prozent sind ohne Angehörige dort.

Angst, Unsicherheit und der lange Aufenthalt unter unsicheren Bedingungen haben einen massiven Einfluss auf die psychische Gesundheit der Kinder. Fast alle von ihnen haben Krieg und Gewalt und eine lange und gefährliche Flucht erlebt, und werden nun in europäischen Camps zusätzlich traumatisiert. Am 13. März kündigte die griechische Regierung zudem an, dass sie wegen der Corona-Krise alle Asylverfahren bis zum 10. April aussetzen werde.

Oxfam und der GCR fordern von den europäischen Regierungen, gemeinsam Verantwortung für Menschen auf der Flucht zu übernehmen und Asylsuchende auf andere sichere Orte in Europa umzusiedeln.

Quelle: www.oxfam.de 


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