oxfamBerlin. - Die Beschaffung und Verteilung eines Corona-Impfstoffes an die ärmsten Menschen der Welt würde weniger kosten als die zehn größten Pharmakonzerne in vier Monaten verdienen. Darauf hat die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam anlässlich der Weltgesundheitsversammlung der Vereinten Nationen hingewiesen, zu der am Montag Gesundheitsminister aus 194 Ländern virtuell zusammenkommen. Oxfam fordert, Impfstoffe und Medikamente patentfrei für alle Menschen und Länder verfügbar zu machen.

Der Wettlauf um einen Corona-Impfstoff und das Tauziehen um dessen Verfügbarkeit sind in vollem Gange. Oxfam warnte, reiche Länder und große Pharmaunternehmen könnten verhindern, dass schutzbedürftige Menschen, insbesondere in Entwicklungsländern, Zugang zu Impfstoffen und Medikamenten bekommen.

Die Europäische Union schlägt vor, Patente für Impfstoffe, Medikamente und Diagnoseverfahren freiwillig in einem globalen Pool zu bündeln. Würde dies weltweit verpflichtend eingeführt, könnten alle Länder diese Stoffe selbst herstellen oder günstig importieren. Die US-Regierung hingegen versucht Berichten zufolge zu verhindern, dass dieser Ansatz Eingang in die Abschlussresolution findet. Stattdessen will die Trump-Administration den Patentschutz und die Gewinninteressen der Pharmaindustrie betonen.

Patentrechte erlauben Pharmaunternehmen, hohe Preise für Medikamente und Impfstoffe zu verlangen – häufig auch, wenn Steuermittel in die Forschung und Entwicklung geflossen sind. Für die meisten Menschen in armen Ländern sind sie deshalb nicht verfügbar, dabei könnte damit Millionen Menschen das Leben gerettet werden. So sterben täglich 2.000 Kinder unter fünf Jahren an Lungenentzündung, obwohl es seit fast zwanzig Jahren einen patentierten Impfstoff der Pharmakonzerne Pfizer und GlaxoSmithKline gibt.

"Seit Jahrzehnten müssen sich die Ärmsten der Armen beim Zugang zu Impfstoffen und Medikamenten hinten anstellen. Das kostet jedes Jahr Millionen Menschen das Leben. Versprechen von Unternehmen, zum Selbstkostenpreis zu produzieren, reichen nicht aus. Wir brauchen patentfreie Impfstoffe und Medikamente sowie einen klaren Fahrplan, wie diese überall auf der Welt gerecht verteilt werden können", sagte Sandra Dworack, Expertin für Armutsbekämpfung und Soziale Grunddienste bei Oxfam Deutschland.

Schätzungen der Gates-Stiftung zufolge betrügen die Kosten für die Beschaffung und Verteilung eines sicheren und wirksamen Impfstoffs gegen das Corona-Virus an die ärmsten Menschen der Welt rund 25 Milliarden US-Dollar. Im vergangenen Jahr erzielten alleine die zehn größten Pharmaunternehmen einen Gewinn von 89 Milliarden US-Dollar, im Schnitt etwas unter 30 Milliarden in vier Monaten.

Um Impfstoffe, Tests und Medikamente allen Menschen auf der Welt zugänglich zu machen, fordert Oxfam von den Teilnehmer*innen der Weltgesundheitsversammlung:

1. Eine Verpflichtung, das Covid-19-bezogene Wissen, Datenmaterial und geistige Eigentum für alle bereitzustellen. Die Vergabe öffentlicher Fördermittel muss daran geknüpft sein, dass Medikamente und Impfstoffe patentfrei zur Verfügung stehen.

2. Ein Bekenntnis, die für die Herstellung und den Vertrieb eines Impfstoffes erforderlichen Ressourcen bereitzustellen. Mit Unterstützung reicher Länder müssen weltweit neue Produktionsstätten geschaffen sowie zusätzliches Personals im Gesundheitswesen eingestellt werden.

3. Eine globale Vereinbarung, die sicherstellt, dass sich die Verteilung eines Impfstoffes am Bedarf orientiert, nicht daran, wer am meisten bezahlen kann. Impfstoffe, Tests und Medikamente müssen möglichst kostengünstig hergestellt werden, idealerweise nicht teurer als 2 US-Dollar pro Dosis, und kostenlos an alle verteilt werden, die sie benötigen.

4. Ein Bekenntnis, dass das derzeitige System der Forschung und Entwicklung neuer Medikamente reformiert werden muss. Die Gewinninteressen von Pharmakonzerne dürfen nicht schwerer wiegen als die Gesundheit bedürftiger Menschen.

Quelle: www.oxfam.de 


Back to Top
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok