fair oceansBremen. - Der 8. Juni ist der Welttag der Ozeane. Auf Initiative der Vereinten Nationen fand der erste World Oceans Day 2009 statt. Weltweit ist dieser Tag seitdem ein Anlass, um den Blick auf die Situation der Ozeane und Meere zu werfen. An sich sollte der Welttag in diesem Jahr in Lissabon zu einem der Höhepunkte der zweiten großen Ozeankonferenz der Vereinten Nationen werden. Doch aufgrund der Corona-Krise musste die Ozeankonferenz abgesagt werden. Jetzt wird nach neuen Wegen gesucht, um die internationalen Debatten zur Zukunft der Meerespolitik fortzuführen.

Währenddessen befinden sich die Ozeane in einer Krise und dies hat weitreichende Auswirkungen auf die Menschen, die vom und mit dem Meer leben. Hart trifft es vor allem die Küstengemeinden in den Entwicklungsländern, die besonders stark von intakten Meeresökosystemen abhängig sind. Plastikmüll, Überfischung und Meeresspiegelanstieg gefährden ihre Existenzgrundlagen zunehmend.

Die Corona-Krise verschärft derzeit diese Probleme noch einmal deutlich. Besonders die Fischerei und der Tourismus, zwei global enorm wichtige Wirtschaftssektoren in den Küstenregionen, sind hiervon betroffen. Die daraus erwachsenden, möglicherweise dramatischen Konsequenzen für die betroffenen Länder werden in Deutschland bisher allerdings kaum in den Blick genommen.

So stellt die Corona-Krise durch ihre negativen Auswirkungen auf die Fischerei in Westafrika eine ernsthafte Gefährdung der Ernährungssicherheit dar. Francisco Mari, Referent für Welternährung, Agrarhandel und Meerespolitik bei Brot für die Welt, erklärte dazu: "Brot für die Welt hat in den letzten Wochen intensive Gespräche mit seinen afrikanischen Partnern zu den Folgen von Corona für die Kleinfischerei und die Ernährungssicherheit geführt. Der Verband der afrikanischen Kleinfischer hat dabei sehr deutlich gemacht, dass es zu hohen Einnahmeausfällen für Fischer und Fischverarbeiterinnen durch die Schließung von Märkten und Anlandestellen kommt. Dies ohne eine ausreichende Unterstützung zu Preissteigerungen und einer Versorgungskrise für die Bevölkerung führen."

Das gelte nicht nur an den Küsten, sondern besonders auch in meeresfernen Regionen und benachbarten Binnenländern. Zusätzlich versuchten ausländische Fangschiffe die Krise auszunutzen. Im Senegal hätten türkische und chinesische Firmen für über 50 neue Schiffe Fanglizenzen beantragt. Damit machten sie den Fischern vor Ort ihre Fanggründe streitig. Fisch ist im Senegal das zweitwichtigste Exportprodukt, beschäftigt rund 600.000 Menschen und ist unerlässlich für die Versorgung der Bevölkerung mit tierischen Eiweißen.

Kai Kaschinski, Projektkoordinator von Fair Oceans, fasste die aktuellen Entwicklungen wie folgt zusammen: "Die Ozeane stehen durch die erheblichen Belastungen ihrer Meeres- und Küstenökosysteme weltweit unter großem Druck. Aktuell sorgt die Corona-Krise stellenweise für eine Entlastung der Meereswelt, dies sollte jedoch keine falschen Hoffnungen wecken. Letztlich entscheidend wird es sein, ob eine dauerhaft nachhaltige Umstrukturierung der Meerespolitik gelingt. Dafür brauchen wir vor allem ein weltweit solidarisches Handeln, das die Menschen im globalen Süden einbezieht und die Ozeane als etwas Verbindendes begreift. Meeresschutz und entwicklungspolitische Programme müssen zusammengedacht werden, denn ohne die Küstenbevölkerungen einzubeziehen und Armut und Hunger zu bekämpfen wird keine Meerespolitik langfristig erfolgreich sein. In diesem Sinne ist die Corona-Krise vielleicht ein Anstoß, aber sicher keine Lösung, sondern zunächst nur ein weiteres Problem, das es zu lösen gilt."

Fair Oceans begrüßte das Corona-Sofortprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und forderte das Ministerium dazu auf, die Küstenregionen und die Fischereiwirtschaft durch eigenständige Maßnahmen im Programm zu berücksichtigen.

Quelle: www.fair-oceans.info 


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