gfbvGöttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat nach der Entführung eines Kardinals und eines traditionellen Oberhaupts im Nordwesten Kameruns vor einer Eskalation des Bürgerkrieges gewarnt. Europa müsse nun dringend handeln und sich engagierter um eine politische Lösung im Konflikt um die Zukunft der anglophonen Regionen des Landes bemühen, erklärte die Menschenrechtsorganisation.

Die anglophonen Regionen Kameruns streben nach staatlicher Unabhängigkeit, weil sie Diskriminierung in dem mehrheitlich französischsprachigen Land beklagen. "Deutschland muss sich als EU-Ratsvorsitz für ein Ende der Übergriffe auf Schulen und die Zivilbevölkerung im Kamerun einsetzen. Nur eine politische Lösung des Konflikts um die anglophonen Regionen kann die Gewalt beenden", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Freitag in Göttingen.

Der emeritierte Kardinal und frühere Erzbischof der Hafenstadt Douala, Christian Tumi, war am Donnerstag Nachmittag vermutlich von Anhängern der bewaffneten Unabhängigkeitsbewegung im Nordwesten des Landes entführt worden. Sie werfen dem 90-Jährigen vor, mit einem Aufruf zum Schulbesuch fälschlich den Eindruck zu erwecken, es herrsche Normalität in den Bürgerkriegsregionen. Dabei gilt der in Freiburg ausgebildete Theologe als scharfer Kritiker der Regierungspolitik in den anglophonen Regionen. Mehrfach warf Tumi der Regierung vor, mit ihrer Politik der Gewalt nur neue Gewalt zu schüren.

Entführt wurde auch der den Kardinal begleitende traditionelle Führer Sem Mbinglo, der König von Nso. Beide Persönlichkeiten sind sehr angesehene moralische Instanzen in der Region. "Ihre Entführung markiert einen neuen traurigen Höhepunkt in einem Bürgerkrieg, der mit Übergriffen auf Schulen in den letzten zwei Wochen eskalierte", berichtete Delius. Erst am Donnerstag kamen elf Lehrkräfte frei, die am letzten Dienstag aus ihren Grund- und Mittelschulen entführt worden waren. Mehrere Schülerinnen und Schüler sowie ein ebenfalls gekidnappter Lehrer waren bereits zuvor freigelassen worden.

Die Bewegungen, die für eine Unabhängigkeit der anglophonen Regionen kämpfen, wollen mit den Entführungen die Zivilbevölkerung einschüchtern. Sie wollen Schulbesuche verhindern, damit das Leben in den anglophonen Gebieten nicht normal erscheint. "Übergriffe auf Schulen sind aber Verbrechen gegen die Menschlichkeit und durch nichts zu rechtfertigen", so Delius. Schwere Menschenrechtsverletzungen werden sowohl den für Unabhängigkeit kämpfenden Bewegungen als auch der regulären Armee vorgeworfen.

Quelle: www.gfbv.de 


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