savethechildrenBerlin. - Während in wenigen Wochen die Staats- und Regierungschefs der Welt auf der UN-Klimakonferenz COP 26 zusammenkommen, leiden Familien in Nordsyrien und im Irak bereits verstärkt unter den Auswirkungen des Klimawandels. Rekordtemperaturen, eine anhaltende Dürre, Niedrigwasser und eine zerstörte Wasserinfrastruktur im Irak und im Nordosten Syriens gefährden das Leben von Kindern. Ernte- und Einkommensausfälle sowie Trinkwassermangel führen zu Krankheiten, Unterernährung und Hunger. Millionen von Menschen seien in der Region bereits von den schwerwiegenden Folgen des Wassernotstands betroffen, warnt die Kinderrechtsorganisation Save the Children.

„Wasser ist lebenswichtig, doch für Millionen von Menschen im Nordosten Syriens ist es ein Luxusgut geworden. Die Auswirkungen von fast 11 Jahren Konflikt, der Wirtschaftskrise und hoher COVID-19-Raten sind zusätzliche Gründe für die Wasserkrise. Wir brauchen dringend mehr Mittel für humanitäre Hilfsprogramme, um auf diesen Notstand reagieren zu können, um Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene sicherzustellen und dafür zu sorgen, dass Kinder in den kommenden Monaten genug zu essen haben. Es muss dringend gehandelt werden, um die Auswirkungen von Wasserknappheit und Klimawandel anzugehen“, sagte Sonia Khush, Regionaldirektorin für Syrien von Save the Children.

Nach Angaben der Kinderrechtsorganisation ist der Wasserstand des Euphrats, auf den die Menschen in Syrien und im Irak angewiesen sind, in letzter Zeit äußerst niedrig. Auch die für die Versorgung der Iraker lebenswichtigen Flüsse Tigris und Diyala führen aufgrund der Gluthitze und der geringen Niederschläge der letzten Jahre weniger Wasser.

Darüber hinaus ist die Trinkwasserversorgung durch das Kraftwerk Alouk, auf die Millionen von Menschen angewiesen sind, in letzter Zeit häufig unterbrochen. Zwar ist die Wasserstation derzeit in Betrieb, doch seit Januar 2021 wurde an 89 Tagen nicht gepumpt und an 142 Tagen lief sie mit eingeschränkter Kapazität, so Save the Children. Dies führte dazu, dass einige Gebiete von Al-Hasakah, eine der größten Städte Syriens, zwei Monate lang keinen Zugang zu Leitungswasser hatten und humanitäre Organisationen darum rangen, die Not der Bewohner zu lindern.

Die zahlreichen Unterbrechungen des Pumpwerks Alouk haben auch den Zugang zu Wasser für Tausende von Menschen in Lagern im Nordosten Syriens eingeschränkt, darunter Areesha und Al-Hol. Seit April 2021 wurden im Nordosten Syriens mehr als 56.000 Fälle von akutem Durchfall und mehr als 17.000 Fälle der parasitären Infektionskrankheit Leishmaniose registriert. Zwar treten diese Krankheiten in den heißen Sommermonaten in Syrien häufig auf, doch die Zahl der Ausbrüche im Jahr 2021 war höher als üblich, weil es zu wenig sauberes Wasser zum Trinken und Waschen gab.

Auch im Irak stellt Save the Children fest, dass die tiefen Wasserstände von Euphrat und Tigris sowie die Ableitung von Abwässern zu einem Gesundheitsnotstand im gesamten Irak führen. Verunreinigtes Wasser verbreitet wasserbedingte Krankheiten, von denen vor allem Kinder betroffen sind. Die Abhängigkeit vieler Familien von alternativen Wasserquellen, wie ungeschützten Brunnen, die einen hohen Sulfat- und Salzgehalt aufweisen, hat den Gesundheitszustand von Kindern weiter beeinträchtigt.

Da die Landwirtschaft nach Erdöl den zweitgrößten Beitrag zum irakischen Bruttoinlandsprodukt leistet, gaben in einer Erhebung von Save the Children 23% der befragten Personen an, ihre Kinder aus Verzweiflung zur Arbeit zu schicken. Die Hälfte der Befragten sagte zudem, dass sie, wenn die Krise anhalten würde, ihren Wohnort verlassen müssten, um anderswo Zugang zu Wasser finden. Die Angst vor dem Verlust ihres Zuhauses belaste die seelische Gesundheit der Kinder zusätzlich, stellte Save the Children fest.

Ishtiaq Mannan, Landesdirektor von Save the Children im Irak, sagte: „Die Wasserkrise im Irak zeigt uns, dass die Klimakrise für allzu viele Kinder auf der Welt bereits Realität ist. Die Auswirkungen sind vielfältig und reichen von Hunger über Vertreibung bis hin zur Beeinträchtigung ihrer Gesundheit. Fast ein Viertel der Eltern ist gezwungen, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken. Dies ist eine Krise, die sich in jeden Winkel des Lebens von Kindern schleicht. Neben einer dringenden Aufstockung der humanitären Hilfe zur Linderung der akuten Not müssen Staats- und Regierungschefs dringend die Bekämpfung der Wasserknappheit in ihre Klimaziele miteinbeziehen.“

Im Nordosten Syriens hat Save the Children seit Beginn der Pandemie bisher mehr als 800.000 Menschen mit Soforthilfe in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) erreicht, unter anderem durch die Instandsetzung von 18 kommunalen Wassersystemen, die Verteilung von Hygiene-Sets und Hygieneförderung. Im Irak hat Save the Children vor kurzem ein Projekt gestartet, mit dem über 300.000 Menschen darin unterstützt werden sollen, ihre Widerstandsfähigkeit in einer Wasserkrise zu erhöhen, zudem werden Wassersysteme gestärkt.

Quelle: www.savethechildren.de


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