IWFBonn (epo.de). - Anlässlich der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds hat der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) den IWF dazur aufgerufen, sich für krisengeschüttelte Staaten einzusetzen. Der IWF sollte sich auf seine Kernaufgabe besinnen und beispielsweise armen Ländern mehr Schuldenerlasse einräumen, forderte EED-Experte Peter Lanzet am Freitag in Bonn. Auch eine gerechtere Machtverteilung innerhalb der Finanzinstitution stehe auf der Tagesordnung.

"Wenn am 19. September in Singapur die IWF-Jahrestagung beginnt, wird die internationale Finanzinstitution sich mit dreierlei hausgemachten Krisen auseinandersetzen müssen: einer Glaubwürdigkeits-, einer Aufgaben- und einer Haushaltskrise", sagte Peter Lanzet, EED-Experte für Entwicklungsfinanzierung.

Noch vor zehn Jahren seien die Finanzexperten des IWF überzeugt gewesen, für jedes volkswirtschaftliche Problem eine Lösung zu haben, so der EED. Die Asien- und die Argentinienkrise hätten dieser Arroganz ein Ende bereitet. "Heute hat der IWF das Problem, dass ihm die Kunden davonlaufen: Argentinien, Brasilien, Indonesien und viele andere Länder haben ihre Kredite vorzeitig zurückgezahlt", sagte Lanzet. "Das beschert dem IWF eine Haushaltskrise, denn er lebt zum großen Teil von den Zinsaufschlägen auf seine Kredite."

In den vergangenen 60 Jahren habe der IWF viele zusätzliche Aufgaben an sich gezogen, so der EED. Hierzu gehörten z. B. Beistandskredite für Mitteleinkommensländer, von denen nie Gebrauch gemacht wurde, oder volkswirtschaftliche Beratung, die nicht in Anspruch genommen werde. Fehlgeschlagen sei seine Armutsbekämpfung in Niedrigeinkommensländern: Sie habe die Not der Bevölkerungsmehrheit und die Kluft zwischen Arm und Reich nur vergrößert.

Der EED sieht in der derzeitigen Krise des Internationalen Währungsfonds eine Chance. "Der IWF hat jetzt Gelegenheit, sich von unnötigen Aufgaben zu befreien und sich auf seine historische Kernaufgabe zu konzentrieren. nämlich letzte Kreditanlaufstelle für krisengeschüttelte Staaten zu sein", sagte Peter Lanzet. Zu diesem Zweck habe der IWF über 3000 Tonnen Gold gehortet. Er könnte Ländern mit Liquiditätsengpässen mit über 300 Mrd. US-Dollar unter die Arme greifen.

"Wenn der IWF die Entwicklung der armen Länder tatsächlich unterstützen will, statt sie nur zwangsweise in den globalen Markt zu integrieren, kann er das z. B. durch weitere Schuldenerlasse tun", so Lanzet. "Er sollte seine Beistandskredite außerdem ohne die Forderung nach Privatisierung, Marktöffnung und Einschränkung der Haushaltsausgaben vergeben. Schließlich sollte er die Beratung von Niedrigeinkommensländern unabhängigen Dritten überlassen."

Beim Treffen der IWF-Gouverneure in Singapur werde sich auch zeigen, ob der Fonds zur Reform seiner Machtverteilung in der Lage ist. "Es ist in jedem Falle sinnvoll, die Macht des IWF einzuschränken", sagte Lanzet, "denn solange der IWF die Wirtschaft überall liberalisieren, deregulieren und privatisieren will, wird er in den Entwicklungsländern nur noch mehr Armut bewirken". Dem müssten kirchliche Werke wie der EED entschieden entgegentreten.

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