BukopharmaBielefeld (epo.de). - In vielen armen Ländern gibt es einen eklatanten Mangel an unentbehrlichen Arzneimitteln, z.B. gegen AIDS. Gleichzeitig müssen sich reiche wie arme Länder mit unsinnigen Produkten und irreführender Werbung herumschlagen. Ein Symposium der BUKO Pharma-Kampagne erarbeitete jetzt konkrete Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Lage.

Anlässlich des 25 jährigen Jubiläums der BUKO Pharma-Kampagne trafen sich rund einhundert Fachleute und Interessierte aus Deutschland und aller Welt, um über Mangel und Überfluss im Arzneimittelsektor zu diskutieren und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Dabei wurden Forderungen zu den Bereichen Zugang zu Arzneimitteln, Forschung und Information aufgestellt. Die Forderungen im Wortlaut:

ZUGANG ZU UNENTBEHRLICHEN ARZNEIMITTELN

Vielen Menschen auf der Welt wird der Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten verwehrt. Drei von vier AIDS-Kranken bekommen immer noch keine Behandlung. Deshalb müssen die Industrieländer verstärkt die Gesundheitssysteme in armen Ländern stärker unterstützen. Es muss alles getan werden, damit Patente den Zugang zu Arzneimitteln nicht behindern.

  • Eine kritische Analyse der Privatisierung im Gesundheitsbereich in Nord und Süd
  • Soziale Sicherungssysteme müssen zum globalen Standard werden, dabei ist die Unterstützung der Industrieländer gefragt.
  • Patente dürfen den Zugang zu Medikamenten nicht behindern.
  • Die Anwendung der in TRIPS verbrieften Rechte (der Vorrang von Gesundheit vor Handelsinteressen) muss sichergestellt werden.
  • Auch Deutschland braucht eine Positivliste.

FORSCHUNG

Die Pharma-Kampagne fordert einen Richtungswechsel in der Forschungspolitik. Industrielle Forschung ist von kommerziellen Interessen gelenkt, Bedürfnisse armer Länder kommen zu kurz. Hier ist mehr öffentliches Engagement gefordert sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der Durchführung klinischer Studien. Hochschulen müssen sicherstellen, dass die Ergebnisse ihrer öffentlich finanzierten Forschung auch allen Menschen zugute kommen.

  • Forschung muss sich an den Bedürfnissen der PatientInnen orientieren.
  • Die Ergebnisse der Forschung müssen allen zugänglich sein.

WERBUNG IST KEINE INFORMATION

Industriegesteuerte Desinformation stört das Vertrauensverhältnis zwischen ÄrztInnen und PatientInnen. Maßnahmen in mehreren Bereichen sind notwendig.

Grundvoraussetzung für die objektive Bewertung von Arzneimitteln ist der Zugang zu allen verfügbaren Informationen. Gegenwärtig können negativ verlaufene Studien leicht unterdrückt werden oder die Ergebnisse nur verzerrt publiziert werden.

  • Deshalb müssen alle Arzneimittelstudien in einem öffentlichen Register geführt und die vollständigen Ergebnisse sofort nach Abschluss öffentlich zugänglich gemacht zu werden.

Die Beeinflussung des Medikamentengebrauchs durch die Pharmaindustrie findet auf vielen Ebenen statt. Wir wehren uns gegen die neuesten Vorstöße, das Werbeverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel auszuhebeln. Für den vernünftigen Gebrauch von Medikamenten ist eine objektive, industrie-unabhängige Information wichtig.

  • Es muss sichergestellt werden, dass Fachleute wie Laien unabhängige Information über Arzneimittel bekommen und vor versteckter Werbung geschützt werden.

In der Arzneimittelzulassung wird gegenwärtig der tatsächliche medizinische Nutzen, d.h. ob sie die Lebenserwartung verlängern oder die Lebensqualität verbessern, nicht systematisch geprüft. Im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel findet heute praktisch überhaupt keine Kontrolle des Nutzens statt. Bestehende Kontrollmechanismen wie Ethik-Kommissionen und Überwachungsbehörden kommen ihren Aufgaben nicht immer nach.

  • Schutz vor unsinnigen Produkten durch bessere Gesetze und Kontrollen ist dringend erforderlich.

Auch Ärzte wehren sich gegen die Manipulation durch "Pharma-ReferentInnen". Mit der neu gegründeten Kampagne "Mein Essen zahl' ich selbst" verpflichten sich ÄrztInnen, sich nicht mit Werbegeschenken, kostenlosen Kongressen und anderen Geschenken bestechen zu lassen.

FORDERUNGEN

  • Keine Besuche von Pharmavertretern in Praxis und Krankenhaus.
  • Keine Geschenke in Praxen und Krankenhäusern
  • Transparenz von Fortbildungen. Keine Zertifizierungspunkte für pharmafinanzierte Fortbildungen.

Die BUKO Pharma-Kampagne hat - da waren sich die TeilnehmerInnen des Symposiums einig - durch ihre Öffentlichkeitsarbeit und ihr politisches Engagement zu vielen Verbesserungen in der Arzneimittelversorgung in Ländern der Dritten Welt, aber auch hierzulande beigetragen. Sie werden die BUKO Pharma-Kampagne noch intensiver als Forum und Plattform nutzen, die Medikamentenversorgung besser an den Bedürfnissen der PatientInnen in Süd und Nord auszurichten.

BUKO Pharma-Kampagne


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