ILOGenf (epo.de). - Die Aids-Pandemie behindert in den am schlimmsten betroffenen Ländern das Wirtschaftswachstum und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Eine anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember vorgestellte Untersuchung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zeigt, dass in diesen Ländern auf Grund der Epidemie jährlich rund eine Million weniger Arbeitsplätze geschaffen werden, als andernfalls möglich wäre. HIV/Aids erschwere so die Armutsbekämpfung, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und auch den Kampf gegen die Kinderarbeit.

Die Studie schätzt die Zahl der mit HIV/Aids lebenden Menschen im arbeitsfähigen Alter auf weltweit 36,3 Millionen. Der größte Teil davon lebt in Afrika südlich der Sahara. Mehr als drei Millionen Erwerbspersonen waren im Jahr 2005 auf Grund der Krankheit teilweise oder vollständig arbeitsunfähig, drei Viertel davon in Afrika. 41 Prozent aller Erwerbspersonen mit HIV/Aids sind Frauen.

In den 43 untersuchten Ländern mit einer Infektionsrate über einem Prozent der Bevölkerung lag das Wirtschaftswachstum laut ILO zwischen 1992 und 2004 pro Jahr durchschnittlich 0,5 Prozentpunkte niedriger, als es ohne HIV/Aids gewesen wäre. Infolgedessen fiel auch das Beschäftigungswachstum um 0,3 Prozentpunkte geringer aus, so dass jedes Jahr ein Defizit von 1,3 Millionen Arbeitsplätzen entsteht.
 
Die Folgen der Aids-Epidemie sind für Kinder und Jugendliche besonders dramatisch. Rund  2,3 Millionen Kinder auf der Welt sind HIV-positiv. Darüber hinaus gibt es schätzungsweise 15 Millionen Aids-Waisen. Viele Kinder sind gezwungen zu arbeiten, weil ihre Eltern krank oder tot sind. Mädchen  haben ein besonders hohes Risiko, am Arbeitsplatz sexuellen Missbrauch zu erleben oder zur Prostitution gezwungen zu werden und so dem Aids-Virus ausgesetzt zu sein. Überdies sind es oft die Mädchen, die erkrankte Familienmitglieder pflegen und deshalb keine Schulbildung erhalten.

Eine Untersuchung der ILO in Sambia im Jahr 2002 kam zu dem Ergebnis, dass HIV/Aids zu einem Zuwachs bei der Kinderarbeit um 23 bis 30 Prozent führte. Eine andere Untersuchung in Uganda 2004 zeigte, dass 95 Prozent der Kinder, die in von HIV/Aids betroffenen Haushalten lebten, irgendeiner Form von Arbeit nachgingen.

Wenn die Kinder in den am schlimmsten betroffenen Ländern heranwachsen, sehen sie sich mit einem akuten Arbeitsplatzmangel konfrontiert, so die ILO. Die Arbeitslosigkeit ist unter Jugendlichen zwei- bis dreimal so hoch wie bei Erwachsenen. Dies bedeutet nicht nur ein höheres Armutsrisiko für junge Menschen, sondern auch ein höheres Infektionsrisiko. Der Mangel an menschenwürdigen Beschäftigungsmöglichkeiten zwinge viele von ihnen, unter unregulierten Bedingungen zu arbeiten, oft in der Sexindustrie. Die Hälfte der neu Infizierten sind zwischen 15 und 24 Jahre alt. Jeden Tag infizieren sich 5000 bis 6000 Jugendliche mit HIV.

Der mangelhafte Zugang zu antiretroviralen Medikamenten führt zu hoher Sterblichkeit und Krankheit auch unter den Arbeitnehmern. Ohne Behandlung dürften sich die Todesfälle von geschätzten 28 Millionen im Jahr 2005 auf 45 Millionen im Jahr 2010 steigern. Unter diesen Umständen ist es für die betroffenen Entwicklungsländern sehr schwierig, sich aus der Armut zu befreien.

Der Bericht stellt zwar fest, dass sich der Zugang zu Medikamenten nach unerträglichen Verzögerungen langsam verbessert. Doch seien weitere massive Anstrengungen nötig. Der ILO zufolge bietet sich der Arbeitsplatz als idealer Ansatzpunkt an, die Menschen sowohl für Prävention als auch Behandlung zu erreichen.

Ein entsprechender Leitfaden zu HIV/Aids in der Welt der Arbeit sowie konkrete Richtlinien für Arbeitgeber und Gewerkschaften wurden im September erstmals auf Deutsch veröffentlicht. Die Empfehlungen über Präventionsmaßnahmen und den Umgang mit Betroffenen richten sich an Betriebe in Deutschland ebenso wie an deren Niederlassungen im Ausland.

ILO


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