Ilisu StaudammBerlin (epo.de). - Aus Protest gegen die drohende Vergabe einer Hermesbürgschaft für den umstrittenen Ilisu-Staudamm in der Türkei durch die deutsche Bundesregierung haben Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten am Mittwoch das Brandenburger Tor in Berlin besetzt. Der Staudamm soll den Tigris kurz vor der Grenze zu Irak und Syrien aufstauen. Die Aktivisten argumentieren, das Projekt verletze das Völkerrecht und führe zu massiven Vertreibungen.

Von der Bürgschaft würde der Stuttgarter Baukonzern Züblin profitieren. "Wir haben das Brandenburger Tor besetzt, um der hiesigen Bevölkerung vor Augen zu führen, was die Bundesregierung im Südosten der Türkei plant", erklärte der Aktivist Matthias Dittmer. "In Berlin blicken wir auf einige Hundert Jahre Geschichte zurück - die Überflutung der antiken Stadt Hasankeyf durch den Ilisu-Staudammbau würde mindestens 9.000 Jahre Kulturgeschichte zerstören."

Die Menschenrechtscampaignerin Bianca Jagger, die sich seit fast sieben Jahren gegen das Ilisu-Projekt engagiert, äußerte sich aus London zu dem Projekt: "Am heutigen Weltaktionstag gegen Staudämme fordere ich Bundeskanzlerin Merkel und die Bundesregierung auf, keine Bürgschaft für das Ilisu-Projekt zu gewähren. Ich hoffe, die Baufirma Züblin wird ihre Entscheidung, sich an dem Projekt zu beteiligen, überdenken. Sie sollte dem Beispiel des britischen Unternehmens Balfour Beatty folgen, die sich im Jahr 2002 aufgrund ungelöster sozialer und ökologischer Probleme zurückzog. Der Ilisu-Staudamm bedeutet für die Menschen in der Region großes Elend. Er wird zur Zwangsumsiedlung von ca. 55.000 Menschen führen. Das kulturelle Erbe der Region wird zerstört werden, und in der Folge verlieren die Menschen auch ihre Heimat und ihre Identität. Ich hoffe sehr, dass das Projekt gestoppt wird!"

"Die Menschen in der Südosttürkei haben bereits genug leidvolle Erfahrung mit Großstaudämmen gesammelt", sagte Ercan Ayboga von der örtlichen Initiative zur Rettung von Hasankeyf bei der Aktion in Berlin. "Praktisch alle Menschen unserer Regionen lehnen das Ilisu-Projekt ab. Wir Betroffene wollen über unsere Zukunft mitentscheiden und nicht durch die türkische oder gar deutsche Regierung bevormundet werden, was gut für uns sein soll."

"Das Projekt verletzt internationale Standards und das Völkerrecht", stellte Heike Drillisch von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation WEED fest. "In Deutschland könnte es nie gebaut werden. Die Bundesregierung darf es nicht unterstützen, nur weil es in der Türkei liegt. Sie wird für die Auswirkungen ihres Tuns haftbar gemacht werden."

www.weed-online.org


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