Satellitenfoto des Zyklons Nargis. Quelle: NOAAYangon/Berlin (epo.de). - Die Militärjunta in Myanmar will zwar Hilfsgüter aus dem Ausland für die Opfer des Zyklons "Niargas" zulassen, diese aber selbst verteilen und keine internationalen Katatrophenhelfer ins Land lassen. Das teilte das Außenministerium am Freitag in Yangon mit. Ein Hilfsflugzeug aus Katar mit Rettungskräften ohne Einreisegenehmigung, das am Donnerstag gelandet sei, habe man zurückgeschickt. Die Vereinten Nationen nannten die Visa-Verweigerung für Rettungs-Experten "beispiellos" in der Geschichte der Katastrophenhilfe.

Die britische BBC zitierte die in einer myanmarischen Tageszeitung abgedruckte Stellungnahme des Außenministeriums: "Currently Myanmar (Burma) has prioritised receiving emergency relief provisions and is making strenuous efforts to transport those provisions without delay by its own labours to the affected areas. (...) As such, Myanmar is not ready to receive search and rescue teams as well as media teams from foreign countries."

Am Donnerstag waren vier Transportflugzeuge des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) und ein Transporter des Internationalen Roten Kreuzes in Yangon gelandet. In der thailändischen Hauptstadt Bangkok warten unterdessen noch immer mehr als 40 UN-Experten auf die Bewilligung von Visas. Zwei UN-Spezialisten zur Einschätzung von Katastrophenschäden sei der Zutritt verweigert worden, als sie in Yangon ankamen, erklärten die Vereinten Nationen. Sie gehen davon aus, dass mindestens 1,5 Millionen Menschen dringend auf Hilfe angewiesen sind.

DEUTSCHE HILFE WIRD VERSTÄRKT

Die Diakonie Katastrophenhilfe stockte ihre Soforthilfe von 50.000 auf 250.000 Euro auf. Die rund 60 Mitarbeiter des lokalen Partners FREDA seien vor Ort dabei, so viel Opfern wie möglich in dem am meisten betroffenen Irrawaddy-Delta zu helfen", sagte die Direktorin des evangelischen Hilfswerks, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel. Erwägungen, angesichts der Politik der Junta in Myanmar keine Hilfe zu leisten, bezeichnete Füllkrug-Weitzel als zynisch. "Unterlassene Hilfeleistung widerspricht unserem Auftrag."

Caritas international weitete seine Hilfe um weitere 100.000 Euro auf nun 150.000 Euro aus. Lokale Helfer von Caritas-Partnerorganisationen seien in drei Regionen im Einsatz. Sie würden bei ihrer Arbeit von fünf ausländischen Helfern in Yangon unterstützt. Weitere internationale Caritas-Helfer warten auf ihre Einreise.

Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, rief die deutsche Bevölkerung zu Spenden für die Zyklon-Opfer auf: "Ich hoffe, die Deutschen lassen die Menschen in Birma mit ihrem Schicksal nicht allein. Es ist schwierig zu helfen, aber es ist möglich, das zeigen die lokalen Mitarbeiter unserer Partner. Wir werden die Spenden auch für den Wiederaufbau benötigen. Die Menschen stehen vor dem Nichts."

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"Das verschmutzte Wasser, die hohe Luftfeuchtigkeit und die Leichen sind eine große Gefahr für den potentiellen Ausbruch von Seuchen, wenn nicht sehr schnell gegengesteuert wird", warnte der Nothilfe-Koordinator von CARE Deutschland-Luxemburg, Wolfgang Tyderle. Vor allem die Lage in dem Flussdelta des Irrawaddy sei "sehr dramatisch".

CARE arbeitet mit seiner 500-Mitarbeiter-Crew daran, Tabletten zur Wasser-Reinigung zu verteilen. Gleichzeitig werden - gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm - Nahrungsmittel verteilt. CARE-Hauptgeschäftsführer, Wolfgang Jamann: "Ziel ist die Versorgung von 50.000 Familien. Das sind etwa 300.000 Menschen, die  wir in den kommenden Tagen erreichen wollen."

HelpAge Deutschland unterstützt die Opfer des Zyklons Nargis mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Notunterkünften. "Insbesondere alte Menschen und ihre Familienmitglieder sind von der Katastrophe betroffen", sagte Geschäftsführer Michael Bünte. "Ihre Gesundheitssituation ist sehr schwierig und sie benötigen deshalb eine besondere Unterstützung."

HELFER SITZEN AUF GEPACKTEN KOFFERN

"Die Verteilung von Hilfsgütern im Katastrophengebiet von Myanmar sollte nach den international anerkannten Standards der humanitären Hilfe abgewickelt werden", forderte die Kinderhilfsorganisation World Vision Deutschland. "Hilfsorganisationen haben sich in internationalen Verhaltenskodexen dazu verpflichtet, Hilfsgüter so zu verteilen, dass die Materialien auch bei den Bedürftigsten ankommen", sagte World Vision-Sprecherin Silvia Holten.

World Vision Deutschland hat einen Hilfsflug vorbereitet. "Wir sitzen auf gepackten Koffern und können bei Genehmigung in 24 Stunden starten“, sagte Holten. In dem Lager in Rodgau bei Frankfurt am Main stehen Hilfsgüter für 25.000 Menschen bereit: zwei Wasseraufbereitungsanlagen, Entkeimungstabletten, Decken und Hygienesets. Sauberes Trinkwasser wird im Katastrophengebiet rund um die Stadt Rangun am dringendsten benötigt. Lokale World Vision-Mitarbeiter versorgen bereits obdachlose Familien in den Gebieten der World Vision-Hilfsprojekte mit Trinkwasser, Kleidung und Nahrung.

Die Kindernothilfe erhöhte ihre Soforthilfe auf 100.000 Euro. Die ersten Hilfsgütertransporte seien auf dem Weg in das Katastrophengebiet, teilte die Organisation in Duisburg mit. Im Süden Yangons verteile ein Netzwerk aus freiwilligen Helfern Pakete mit Reis, Öl und Bohnen. Die Preise auf den lokalen Märkte hätten sich jedoch verdreifacht.

"Das Ausmaß der Verwüstungen in den betroffenen Regionen in Myanmar, von dem uns unsere Partner berichten, ist erschreckend", fasste Corinna Broeckmann vom katholischen Hilfswerk MISEREOR die Kontakte ins Land zusammen. "Es ist dringend notwendig, dass die Menschen das Lebenswichtigste so schnell wie möglich erhalten. Der Wirbelsturm hat viele Menschen getroffen, die bereits vor der Katastrophe unter einer schlechten Ernährungssituation gelitten haben. Zudem gab es von Seiten der Militärregierung keinerlei Vorwarnung. Das Krisenmanagement seitens der Regierung weist erhebliche Mängel auf. Durch die Partner, mit denen wir auch vor der Katastrophe zusammengearbeitet haben, ist es zur Zeit für uns einfacher, die Opfer zu erreichen."

Ein langjähriger MISEREOR-Partner aus Rangun schreibt in einem Brief: "Unser Land befindet sich in einer Art Schockzustand. Die Zahl der Toten steigt täglich an. Tausende von Menschen sind verschwunden und über eine Millionen haben kein Dach mehr über dem Kopf. Mit dem Ausmaß der Zerstörung kann ein armes Land wie unseres nur schwer umgehen."

Ärzte der Welt will versuchen, schnellstmöglich im Südwesten des Landes, im Irrawaddy-Delta, tätig zu werden. Die Naturkatastrophe führe erneut zu einem Preisanstieg bei den Grundnahrungsmitteln. Zudem versucht die Ärzte-Organisation, ein Flugzeug mit Hilfsgütern und Medikamenten nach Myanmar zu senden. Die Landeerlaubnis der burmesischen Militärregierung stehe aber noch aus.


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