zerstörter Tropenwald in Brasilien. Foto: epo ArchivBerlin (epo.de). - Kirchliche Hilfswerke und entwicklungspolitische Verbände haben das Energieabkommen zwischen Deutschland und Brasilien kritisiert, das im Zentrum des derzeitigen Staatsbesuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Brasilien steht. Das Abkommen berge die Gefahr steigender Einfuhren von Agrosprit. Die gravierenden negativen Folgen für die einheimische Bevölkerung belegten aktuelle Studien, heißt es.  Die Organisationen bitten angesichts der aktuellen Hungerkrise die Kanzlerin um ein Gespräch.

Ihre Kritik an Agrospritimporten aus Lateinamerika begründen die Organisationen mit den Ergebnissen eigener Untersuchungen sowie einer Studie des evangelischen Hilfswerks "Brot für die Welt" und des Forschungs- und Dokumentationszentrums Chile-Lateinamerika zur Agroenergieproduktion. Demnach kommt es teilweise zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen sowie zu erheblichen Preissteigerungen für Nahrungsmittel.

"Brasilien ist trotz ambitionierter Programme weit davon entfernt, die Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststandards bei der Erzeugung von Agrosprit zu gewährleisten", kritisierte der Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor, Martin Bröckelmann-Simon. Die Agrosprit-Produktion führe zu Landvertreibungen, der Verdrängung der Nahrungsmittelproduktion und der fortschreitenden Zerstörung der Wälder. Dies diene keinesfalls einer nachhaltigen Bekämpfung des Klimawandels.

"Wir können Verletzungen des Menschenrechts auf Nahrung und teilweise explosionsartige Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel wie Reis und Bohnen belegen", sagte der Generalsekretär der Menschenrechtsorganisation FIAN, Flavio Valente. Nach seinen Angaben wurden allein 2007 rund 3.000 Sklavenarbeiter von Zuckerrohrplantagen in  Brasilien befreit.

"Auch in Kolumbien hat der Palmöl-Boom die prekäre Menschenrechtslage weiter verschärft", erklärte die Direktorin des evangelischen Hilfswerks "Brot für die Welt", Cornelia Füllkrug-Weitzel. Kleinbauern seien gewaltsam von mehr als fünf Millionen Hektar Land vertrieben worden. Füllkrug-Weitzel: "Agroenergie solcher Herkunft hat in Deutschland nichts zu suchen."

"Angesichts der Hungerkrise haben wir Frau Merkel um ein Gespräch gebeten", sagte Claudia Warning, Vorstand des Evangelischen Entwicklungsdienstes und Vorsitzende des Verbandes Entwicklungspolitik (VENRO).

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