KinderarbeitOsnabrück (epo.de). - Aus dem öffentlichen Beschaffungswesen sollen alle Produkte ausgeschlossen werden, die mit Hilfe der Ausbeutung von Kinderarbeitern entstehen. Diese Forderung hat die entwicklungspolitische Kinderhilfsorganisation terre des hommes anlässlich des Internationalen Tages gegen Kinderarbeit am 12. Juni erhoben. "126 Millionen Mädchen und Jungen schuften Tag für Tag, über 20.000 Kinder kommen jedes Jahr durch Arbeitsunfälle ums Leben", sagte Barbara Küppers, Expertin für Kinderarbeit. "Verbraucher, große und kleine Unternehmen, Hilfswerke und Gewerkschaften engagieren sich bereits, um die Ausbeutung von Kindern zu beenden. Nur der Großverbraucher öffentliche Hand schließt Produkte aus Kinderhand noch immer nicht aus." 

Bund, Länder und Kommunen geben pro Jahr 360 Milliarden Euro für Beschaffungen aus. Darunter sind auch Produkte, in denen Kinderarbeit und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen für Erwachsene stecken können, wie etwa Natursteine für Bauten und Straßenpflaster, Berufsbekleidung, Sportbälle, Kaffee, Tee und Orangensaft.
 
Der Bundestag will in den kommenden Monaten über die Umsetzung der EU-Vorgaben zur Reform der Beschaffung von Bund, Ländern und Kommunen debattieren. Aus diesem Anlass bittet terre des hommes alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages in einem Brief dringend darum, bei dieser Reform des Vergaberechtes für die Verankerung sozialer Kriterien wie das Verbot von Kinderarbeit und die grundlegenden Arbeitsrechte einzutreten. "Bis heute haben bereits die Länder Bayern, Bremen, Saarland und Sachsen und über 100 Städte und Gemeinden erklärt, dass sie in ihrer Beschaffung das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit berücksichtigen werden", so Peter Mucke, Geschäftsführender Vorstand von terre des hommes, in seinem Brief. Die Verankerung sozialer Kriterien im Vergaberecht sei nach den Richtlinien der Europäischen Union seit 2004 möglich und wäre ein wichtiger Schritt hin zu verantwortungsvollem Wirtschaften und der Verwirklichung grundlegender Menschenrechte.

SALESIANER ERFOLGREICH IN INDIEN

In der indischen Millionenstadt Vijayawada haben die Salesianer Don Boscos mit Hilfe von JUGEND DRITTE WELT ein umfassendes Programm zur Bekämpfung der Kinderarbeit gestartet. Mit vielfältigen Maßnahmen ist es in dem Stadtteil Autonagar gelungen innerhalb von fünf Jahren die Zahl der Kinderarbeiter von 6300 auf 2400 zu reduzieren.

"Wenn Kinderarbeit langfristig bekämpft werden soll, reicht es nicht aus, die Kinder aus den Fabriken in die Schulen zu holen. Deshalb leisten die Salesianer in Autonagar kontinuierliche Aufklärungsarbeit in den Firmen und auch in den Familien, denn auch die Eltern der Kinder messen Bildung oft keinen hohen Stellenwert bei", so Silvia Cromm, Leiterin der Projektabteilung von JUGEND DRITTE WELT. Spezielle Beratungsangebote klären die Eltern über die Bedeutung von Schule und Ausbildung auf und zeigen ihnen damit einen Weg auf, dem Teufelskreis aus Kinderarbeit und Armut zu entkommen. Wenn der Arbeitslohn der Kinder zum Überleben der Familie notwendig war, unterstützen die Mitarbeiter der Don Bosco Projekte die Eltern mit Einkommen schaffenden Maßnahmen, sodass sie beispielsweise lernen, mit Näharbeiten ein wenig Geld zu verdienen.

MEHR ENTWICKLUNGSHILFE GEFORDERT

Das Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit, dem auch die Kindernothilfe angehört, fordert von der Bundesregierung mehr Entwicklungshilfegelder für die Förderung von Grundbildung. "Allein 72 Millionen Kinder im Grundschulalter haben keine Chance, eine Schule zu besuchen. Und ein großer Teil der weltweit 165 Millionen Kinderarbeiterinnen und -arbeiter unter 15 Jahren kann nicht zur Schule gehen. Dies ist unerträglich. Denn Bildung ist eine Grundvoraussetzung, um extremer Armut entkommen zu können. Daher ist es unabdingbar, dass die ärmsten Länder der Erde mehr Entwicklungshilfe für den Ausbau der Grundbildung erhalten. Hier ist auch Deutschland gefordert, die Bundesregierung muss mehr tun", sagte Klaus Heidel von der Werkstatt Ökonomie in
Heidelberg, die das Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit koordiniert.

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