dswHannover (epo.de). - Die Weltbevölkerung wächst derzeit um jährlich rund 80 Millionen Menschen. Heute leben etwa 6,7 Milliarden Menschen auf der Erde. 2012 wird die Weltbevölkerung voraussichtlich die Sieben-Milliarden-Marke überschreiten und im Jahr 2025 acht Milliarden Menschen umfassen. Das geht aus dem Datenreport 2008 hervor, den die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) am Dienstag in Hannover veröffentlicht hat.


Das rasante Bevölkerungswachstum findet fast ausschließlich in den Entwicklungsländern statt. Heute leben hier bereits 82 Prozent der Weltbevölkerung, insgesamt 5,5 Milliarden Menschen. Bis zum Jahr 2050 kommen noch einmal knapp 2,6 Milliarden hinzu. Das prozentual stärkste Bevölkerungswachstum verzeichnet Afrika. Bis zur Jahrhundertmitte werden auf dem schwarzen Kontinent fast zwei Milliarden Menschen leben - doppelt so viele wie heute.

ENDE DES WACHSTUMS NICHT IN SICHT

Möglicherweise wächst die Bevölkerung Afrikas sogar noch schneller. Die gegenwärtigen Wachstumsprognosen gehen davon aus, dass die Fruchtbarkeitsrate in Afrika bis zur Mitte des Jahrhunderts auf 2,5 Kinder pro Frau sinkt. Jüngste Untersuchungen, die dem DSW-Datenreport zugrunde liegen, vermitteln allerdings ein anderes Bild: Insbesondere in den Ländern Afrikas südlich der Sahara gehen die Fruchtbarkeitsraten nach diesem Szenario nur sehr allmählich zurück.

In Kenia beispielsweise lag die Fertilität in den frühen 1970er Jahren bei acht Kindern pro Frau und sank bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf fünf Kinder. Seither verharrt sie laut DSW auf diesem Niveau. In anderen Ländern wie Uganda sei überhaupt kein Rückgang der Fruchtbarkeitsrate festzustellen. Hier bekämen Frauen heute, wie schon 1950, im Durchschnitt sieben Kinder. Es bleibe daher abzuwarten, ob die Zwei-Kind-Familie ein realistisches Zukunftsbild Afrikas ist und ob das prognostizierte Bevölkerungswachstum nicht nach oben korrigiert werden muss.

DRUCK AUF RESSOURCEN

Die meisten Länder Afrikas könnten ihre Bevölkerung schon heute nicht mehr ausreichend versorgen, so die DSW. "In Äthiopien beispielsweise leidet fast jeder Zweite an Unterernährung und nur 42 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Trinkwasser", sagte DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. "Bis 2050 wird die äthiopische Bevölkerung von heute 79 Millionen auf 148 Millionen Menschen zunehmen. Das bedeutet, dass fast 70 Millionen Menschen zusätzlich versorgt werden müssen."


Eine Verlangsamung des Bevölkerungswachstums würde vielen Ländern bei der Ernährungssicherung und im Kampf gegen Armut helfen. Doch viel zu oft fehlen den Menschen der Zugang zu Kontrazeptiva und das Wissen über Verhütung. "Es ist ein Skandal, dass in Afrika gerade einmal zwei von zehn verheiratete Frauen verhüten können", mahnte Bähr. "Wir müssen deutlich mehr in Familienplanung investieren. Nur durch bessere Familienplanungsdienstleistungen erhalten die Menschen eine reelle Chance, langfristig Hunger und Armut zu entkommen."

DSW-Sprecherin Julia Jakob räumte auf Nachfrage von Entwicklungspolitik Online ein, das Bevölkerungswachstum sei nur eine der Ursachen, die Armut und Hunger hervorrufen. Entsprechend ist die Lösung der Problematik des Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern nur ein Faktor zur Beseitigung von Hunger und Armut in der Welt.

BEVÖLKERUNG EUROPAS SCHRUMPFT

Im Gegensatz zu den Entwicklungsländern wird die Bevölkerung der Industrieländer in Zukunft weiter zurückgehen. In Europa werden zur Mitte des Jahrhunderts voraussichtlich 51 Millionen Menschen weniger leben als heute. Vor allem, weil Frauen hier im Durchschnitt nur 1,5 Kinder zur Welt bringen, wird die europäische Bevölkerung von heute 736 Millionen auf 685 Millionen Menschen im Jahr 2050 schrumpfen - von elf auf knapp sieben Prozent der Weltbevölkerung.


Der DSW-Datenreport "Weltbevölkerung 2008" ist die deutsche Übersetzung des 2008 World Population Data Sheet, das vom Population Reference Bureau (PRB) herausgegeben wird. "Nearly all of world population growth is now concentrated in the world's poorer countries," erklärte PRB-Präsident Bill Butz. "Even the small amount of overall growth in the wealthier nations will largely result from immigration."

DSW-Datenreport 2008
PRB 2008 World Population Data Sheet

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