Elektronikarbeiterin auf den Philippinen. (c) ITUC, Natacha David

Berlin (epo.de). - Eine neue Studie der europäischen makeITfair-Kampagne kratzt am glänzenden Image der Elektronikindustrie. Die Studie enthüllt erschreckende Arbeitsbedingungen in asiatischen Handyfabriken: Junge Arbeiter hantierten ohne Schutzkleidung mit Chemikalien, leisteten exzessive Überstunden, um ihre Grundbedürfnisse zu decken, und würden für fehlerhafte Produktion bestraft, so die Publikation. In den Exportproduktionszonen in einigen Ländern Asiens, wo die Firmen angesiedelt sind, würden Proteste oft brutal unterdrückt. Die untersuchten Firmen liefern ihre Produkte an alle großen Handy-Firmen.


"Die Fabrikarbeiter in China und den Philippinen müssen einen hohen Preis dafür zahlen, dass wir Handys immer billiger kaufen können. Den zumeist jungen Frauen in den asiatischen Fabriken werden ihre Grundrechte vorenthalten. Oft haben sie kaum eine Chance, ihre Situation zu verbessern, da unabhängige Gewerkschaften zumeist verboten sind", sagte Cornelia Heydenreich von Germanwatch, einer der beiden deutschen Trägerorganisationen von makeITfair.

makeITfair hat Arbeitsbedingungen in sechs Zulieferfabriken in China und den Philippinen untersucht, die Bauteile für Nokia, Samsung, Motorola, LG, Sony Ericsson und Apples iPhone herstellen. Die Studie deckt auf, dass die vorgefundenen Arbeitsbedingungen nationale Gesetze sowie Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO/ILO) verletzen. Ebenso verstoßen sie gegen die eigenen Verhaltenskodizes der Elektronikunternehmen - zum Beispiel bei den Arbeitszeiten und dem Umgang mit gefährlichen Chemikalien.

Die im Bericht erwähnten Unternehmen erhielten die Möglichkeit, zu den Ergebnissen der Untersuchung Stellung zu nehmen. Keine der Firmen hat makeITfair zufolge das niedrige Lohnniveau in den Zulieferfirmen bestritten.

Die makeITfair-Studie zeigt, dass die niedrigen Löhne einen Teil der anderen Probleme erklären, die die Markenfirmen laut ihren Verhaltenskodizes eigentlich lösen wollen. So bedeuten niedrige Löhne für eine Vollzeitbeschäftigung, dass die Arbeiter unvertretbar viele Überstunden leisten müssen, um über die Runden zu kommen. Manche von ihnen schlafen bei der Arbeit ein, weil sie einfach zu erschöpft sind, und machen dadurch Fehler. Dies führt dann dazu, dass ihr Lohn gekürzt wird und sie noch weniger verdienen. Aufgrund des geforderten hohen Arbeitstempos arbeiten manche Beschäftigten lieber ohne ihre Schutzkleidung, auch wenn die Anwendung von Chemikalien ihre Gesundheit schädigen könnte. Meistens werden sie auch nicht ausreichend darüber aufgeklärt, warum Schutzkleidung so wichtig ist.

"Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz bedeuten nicht nur, die richtige Schutzkleidung zur Verfügung zu stellen. Es ist ebenso wichtig, dass die Arbeiter auch die Möglichkeit haben, diese Schutzvorrichtungen zu nutzen. Die Arbeiter, die wir für die Studie befragt haben, zeigen typische Symptome einer falschen Anwendung von Chemikalien. Schulungen und ein angemessenes Arbeitstempo sind unbedingt erforderlich, wenn ihre Gesundheit geschont werden soll", erklärte Jenny Chan von der Nichtregierungsorganisation SACOM aus Hong Kong, die die Recherchen in China koordiniert hat.

Die Zulieferfirmen, die von makeITfair befragt wurden, beschweren sich über die kaum zu erfüllenden Anforderungen der Handy-Firmen. Einerseits sollen die Zulieferer die Herstellungskosten reduzieren. Andererseits sollen sie die Arbeitsbedingungen und Umweltstandards bei der Produktion verbessern, aber diese Investitionen kosten Geld. Größere Zulieferer können diesen Anforderungen genügen, wenn sie denn wollen, aber kleinere Zulieferfirmen sind dazu häufig nicht in der Lage.

"Die Handy-Firmen müssen wirkliche Anreize für soziale und ökologische Investitionen in Asien schaffen, statt diese Einkaufspraktiken weiterzuführen. VerbraucherInnen sollten gegenüber den Herstellern faire Produktionsmethoden einfordern, zum Beispiel über die Postkartenaktion von makeITfair", sagte Volkmar Lübke von der Verbraucher Initiative, die ebenfalls Träger der Kampagne makeITfair ist.

Foto: Elektronikarbeiterin auf den Philippinen. (c) ITUC, Internationaler Gewerkschaftsbund, Natacha David

Studie "Silenced to Deliver: Mobile phone manufacturing in China and the Philippines (September 2008 - nur auf Englisch)
--> Postkarte an den Handyhersteller schicken

makeITfair informiert über die Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen sowie Umweltprobleme in der Produktionskette von Unterhaltungselektronik, u.a. von Mobiltelefonen, MP3-Playern, Spielkonsolen und Laptops. Neun Organisationen aus mehreren europäischen Ländern kooperieren in diesem dreijährigen Projekt, das von der EU gefördert wird. In Deutschland wird makeITfair von Germanwatch und der Verbraucher Initiative getragen. Die anderen Projektpartner sind SOMO und IRENE aus den Niederlanden, SwedWatch, Church of Sweden und Fair Trade Center aus Schweden, FinnWatch/Finnish Association for Nature Conservation aus Finnland und KARAT aus Polen.

 


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