munich re foundationCartagena/Berlin (epo.de). - Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe hat die Armen des Landes aufgerufen, Mikroversicherungen für ihr persönliches Risikomanagement zu nutzen. So könnten sie für Krisensituationen gewappnet sein, sagte Uribe auf der 4. Internationalen Mikroversicherungs-Konferenz in Cartagena. Mehr als 400 Experten und Praktiker aus 50 Ländern trafen sich in der kolumbianischen Stadt, um aktuelle Entwicklungen und kostengünstige Versicherungslösungen für die Armen der Welt zu diskutieren.
Zwei Drittel der Konferenzteilnehmer kamen nach einem Bericht der Münchener Rück Stiftung aus dem Privatsektor, mehr als die Hälfte aus Lateinamerika. Der kolumbianische Präsident Álvaro Uribe sagte bei der Eröffnung der Konferenz: “In meinem Land hat Mikroversicherung sogar das Potenzial, die Ärmsten der Armen zu erreichen. Es ist wichtig, das Konzept auch der armen Bevölkerung verständlich zu machen, damit diese Mikroversicherungen nutzt. Dies ist die beste Möglichkeit für persönliches Risikomanagement – sei es für den Fall von Gesundheitsproblemen, bei Finanzkrisen oder Naturkatastrophen. Die Betroffenen sollten nicht zu Geldverleihern oder Geschäftemachern am Schwarzmarkt gehen, sie sollten stattdessen Versicherungsinstrumente nutzen.“
 
Roberto Junguito, Präsident des kolumbianischen Versicherungsverbands FASECOLDA, betonte, dass es nicht notwendig sei, die bestehende Regulierung in Kolumbien zu ändern  oder neue Regeln für Mikroversicherung einzuführen. „Der private Sektor bemüht sich auch so mit Nachdruck, innovative Produkte zu entwickeln, die Bedürfnisse der Konsumenten zu stillen und die steigende Nachfrage zu bewältigen.“ Allein dadurch entstehe Wachstum. Junguito unterstrich, es sei notwendig, maßgeschneiderte und erschwingliche Lösungen zu entwickeln.  
 
Kolumbien gilt als einer der wichtigsten Märkte für
Mikroversicherungen in Lateinamerika. Vor mehr als fünf Jahren wurden hier die ersten Mikroprodukte entworfen, heute bieten 11 Gesellschaften Leben- und Unfall-, Begräbnisversicherung und andere Sparten an. Aktuell werden Policen für das Sachgeschäft
entwickelt, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.
 
Mehr als drei Millionen Menschen in Kolumbien besitzen nach Angaben der Münchener Rück Stiftung bereits Mikroversicherungs-Policen. Wenn man mit einrechne, dass die Beerdigungsversicherung im Schnitt pro Haushalt mindestens
zwei Personen abdeckt, seien insgesamt mehr als fünf Millionen Kolumbianer mikroversichert – was mehr als 10 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Die Durchschnittsprämie pro
Monat liegt zwischen 4 Cents und 3 US-Dollar. Wie in vielen anderen Ländern ist die Nachfrage stabil, die Menschen bezahlen ihre Prämien regelmäßig. Der Präsident des Versicherungsverbandes sagte: “Die Märkte sind gesund und wachsen stetig, die Schadenquoten sind bemerkenswert niedrig. Im Jahr 2007 lag die Quote beispielsweise unter 30 Prozent.”
 
In seiner Eröffnungsrede sprach Präsident Uribe auch über Naturkatastrophen. „Die Regierung gibt Jahr für Jahr rund 180 Mio. US-Dollar aus, um Schäden durch Überschwemmungen und Erdrutsche zu kompensieren. Wir brauchen Partnerschaften zwischen dem Staat und der Privatwirtschaft, um damit besser umgehen zu können.“ Dann wandte er sich den Entwicklungsprogrammen in seinem Land zu. In Kolumbien gebe es zahlreiche Sonderprogramme für arme Familien, Kleinunternehmer und Studierende. Die Bandbreite reiche von Ausbildungsangeboten über Gesundheitsleistungen bis hin zu Ernährungsprogrammen. „Das Netz von Mikrofinanzinstitutionen und Spezialbanken ist engmaschig. Mikroversicherung muss mehr als bisher ein elementarer Bestandteil der zahlreichen Aktivitäten und Entwicklungsbemühungen werden“, sagte der Präsident.  
 
Craig Churchill von der Internationalen Arbeiterorganisation (ILO), der zugleich Vorsitzender der CGAP-Arbeitsgruppe für Mikroversicherung ist und die Konferenz mitorganisierte, betonte: „Mikroversicherung ist nur ein Werkzeug von vielen, um arme Menschen zu unterstützen. Wir haben viel erreicht, nun geht es aber darum, dass die kommerziellen Versicherer mehr als Interessensbekundungen äußern und handeln.“ Churchill fügte hinzu: „Heutzutage bieten immer mehr Mikroversicherer einfache Produkte wie beispielsweise Kreditversicherung an. Nun ist es an der Zeit, speziellere Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.“
 
“Seit der ersten Konferenz im Jahr 2005 hat sich das Thema Mikroversicherung deutlich entwickelt“, sagte Thomas Loster, Geschäftsführer der Münchener Rück Stiftung: „Heute steht es ganz oben auf der Tagesordnung der bedeutendsten Schwellenländer und auch andere Entscheidungsträger haben die Mikroversicherung entdeckt. Sie findet sich sowohl im Gleneagles-Prozess, der aus den G8-Gipfeln hervorgegangen ist, als auch in den internationalen Klimaverhandlungen. Inzwischen ist sie als Möglichkeit für die Armutsbekämpfung und als eine Anpassungsstrategie für steigende Risiken aus dem Klimawandel anerkannt.“  
 
Die Mikroversicherungskonferenz wurde von der Münchener Rück Stiftung ins Leben gerufen und wird von ihr in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Mikroversicherung der CGAP (Consultative Group to Assist the Poor) organisiert. Die Veranstaltung fand zum vierten Mal statt. Mitveranstalter der diesjährigen Konferenz waren der Verband der kolumbianischen Versicherer FASECOLDA, der interamerikanische Versicherungsverband FIDES und die kolumbianische Finanzaufsicht Superintendencia Financiera de Colombia.

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