tm09Berlin (epo.de). - Auf der diesjährigen transmediale, dem Festival für Kunst und digitale Kukltur in Berlin, treten erstmals in dieser Breite Künstler und Medienschaffende aus Ländern des Südens auf. Denn das Thema der transmediale.09 - DEEP NORTH - geht auch und vor allem die Menschen des Südens an: Wie gehen Individuen und Gesellschaften mit den durch den Klimawandel hervorgerufenen Umbrüchen um? Aktivisten, Lobbyisten, Künstler und Wissenschaftler wie der chinesische Blogger Isaac Mao, die Medienkünstlerin Atteqa Malik aus Pakistan und der Architekt Francis Kéré aus Burkina Faso tauschen ihre Positionen mit Künstlern, Wissenschaftlern und Aktivisten aus dem Norden aus. Man darf gespannt sein.

Ein Höhepunkt der transmediale.09, die bis 1. Februar dauert, dürfte der "Salon" werden, der den Titel "The Digital Greenhouse" trägt. Der Salon ist von den Veranstaltern als interaktiver Ort für Workshops und "strategische oder performative Diskussionen" neuartiger Konzepte ins Leben gerufen worden. "In einer Welt, die im Krieg liegt und von Ignoranz, postkolonialer Politik und Vorurteilen bestimmt wird, gibt es nur wenige Möglichkeiten für einen Austausch", lautet die Ausgangsthese.

Das "Digital Greenhouse" will das ändern. Mowoso, ein in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, beheimatetes transmediales Kollektiv, will Berlin und Kinshasa "mithilfe eines audiovisuellen Live-Interfaces defragmentieren und austauschen". "Wenn der Klimawandel einen globalen, kulturellen Transformationsprozess ausgelöst hat, dann ist das Digital Greenhouse das Trainingslager für die dadurch mögliche kulturelle Revolution", heißt es in der Ankündigung.

Ein anderes Projekt fragt danach, wie die Zukunft jenseits der neoliberalen Realität von sozialer Ungleichheit, Menschenrechtsverletzungen, Migration Neokolonialismus aussehen könnte. Das Tantalum Memorial, unterstützt von der GTZ, ist ein Mahnmal für die Millionen Toten aus den 'Koltankriegen', die seit 1998 um den Abbau von Koltan im Kongo geführt werden. Das Erz, wertvoller als Gold, ist der Rohstoff, aus dem das Metall Tantal gewonnen wird, das als wesentlicher Bestandteil der Mikroelektronik zur Herstellung von Mobiltelefonen und Computern benötigt wird.

Die Telefon-Installation britischer Künstler ist nicht nur Denkmal, sondern auch Zentrale eines sozialen Telefonnetzwerks für in England lebende kongolesische Migranten. Angelehnt an das traditionelle kongolesische Prinzip 'Radio Trottoire', bei dem Neuigkeiten und Klatsch unzensiert auf den Straßen von Passant zu Passant weitergegeben werden, ruft 'Telephone Trottoire' über ein Londoner Radioprogramm die kongolesische Hörer an, spielt Nachrichten ab, welche dann von diesen kommentiert und weitergeleitet werden. 1.800 Nutzer verzeichnet dieses zwischen Tradition und Gegenwart zu verortende Kommunikationsmittel. http://www.mediashed.org/TantalumMemorial

www.transmediale.de
Programm der transmediale.09 (PDF)

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