Foto: Ein Awà-Mann im April 2000 (c) Survical International/Fiona Watson

Brasilia/London (epo.de). - Die vermutlich letzten nomadischen Jäger und Sammler in Brasilien sind durch Holzfäller in ihrem Überleben bedroht. Derzeit seien rund 300 Angehörige des Volkes der Awà im Amazonas-Bundesstaat Maranhao auf der Flucht vor Bulldozern, berichtete die Hilfsorganisation Survival International am Mittwoch in London. Die Holzfällern dringen immer tiefer in den Regenwald vor und zerstören den letzten Teil des Waldes der Nomaden. Rund 60 Mitglieder der Awà pflegen keine Kontakte zur Außenwelt.

Survival International hat eine dringliche Kampagne zum Schutz der Awà ins Leben gerufen. Holzfäller, Viehzüchter und Siedler bedrohen den Lebensraum der indigenen Bewohner des Regenwaldes. "Sie übertragen Krankheiten, üben Gewalt aus und dezimieren das für Awà lebensnotwendige Wild", erklärte die Organisation. Eine Gruppe von Holzfällern befinde sich nur drei Kilometer von der nächsten Awà Gemeinschaft entfernt.

1970 hatten die Europäische Union und die Weltbank eine riesige Eisenerzmine in der Region und den Bau einer Eisenbahnstrecke mitfinanziert, was zu einem Zustrom von Siedlern aus Süd- und Zentralbrasilien führte. Mehr als zwei Drittel der Awà, die in dieser Zeit von der Regierung kontaktiert wurden, seien umgekommen, so Survival International. 

Viele der heutigen Awà sind den Berichten zufolge Überlebende von blutigen Massakern. Ein Awà-Mann zog zehn Jahre durch den Regenwald, nachdem seine Familie getötet worden war. Er glaubte, der letzte Überlebende der Awá zu sein. Eine Wiedervereinigung mit anderen Awà fand 1988 statt.

Die brasilianische Regierung habe das Land der Awà im Staat Maranhao offiziell als deren Besitztum anerkannt, treffe jedoch "keine Maßnahmen zum Schutz dessen Grenzen", beklagt Survival International.

"Die heutigen Awà sind beeindruckende Jäger und erfahrene Sammler, aber sie brauchen jeden Zentimeter ihres Waldes um für sich sorgen zu können", sagte Survival Mitarbeiterin Fiona Watson, die einige der kontaktierten Awà besucht hat. "Allen Widrigkeiten zum Trotz haben sie bis ins 21. Jahrhundert überlebt, doch wenn die brasilianische Regierung nicht bald etwas unternimmt, wird wahrscheinlich kein weiteres Jahrhundert folgen."

Foto: Ein Awà-Mann im April 2000. © Survical International/Fiona Watson

 


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