Kein PatentMünchen (epo.de). - Mehr als tausend Landwirte haben gemeinsam mit Umwelt- und Entwicklungsorganisationen am Mittwoch bei einer Demonstration in München gegen die Patentierung von Lebewesen protestiert. Einem Sammeleinspruch gegen ein Patent zur Züchtung von Schweinen schlossen sich mittlerweile über 5.000 Bürgerinnen und Bürger und rund 50 Verbände an. Die Teilnehmer des Protest-Marsches unter dem Titel "Stoppt das Patent auf die arme Sau!" fordern ein gesetzliches Verbot von Patenten auf Leben.

Der Einspruch gegen das ursprünglich vom US-Agrarkonzern Monsanto angemeldete Patent wurde am Mittwoch von der Organisation "Kein Patent auf Leben!" dem Europäischen Patentamt (EPA) in München übergeben. Nach Recherchen von Greenpeace erstrecken sich die vom EPA genehmigten Patente inzwischen “von der Zucht von Kühen bis auf die Milch”. Die Demonstration gegen Patente auf Leben gilt als die bisher größte in Europa.  

"Mit Patenten auf Leben werden Bauern und Züchter enteignet", sagte Rudolf Bühler von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, der eine Herde seiner traditionellen Zuchtschweine vor das Patentamt führte. "Konzerne wie Monsanto wollen die Kontrolle über Landwirtschaft und Lebensmittel, vom Ferkel bis zum Schnitzel." Die im Schweine-Patent (EP 1651777) beanspruchten Tiere seien nicht von anderen Zuchtschweinen zu unterscheiden. Es werde auch keine neue technische Erfindung beschrieben. Im Patentantrag habe Monsanto nur bereits bekannte Zuchtverfahren variiert.

GIER DER KONZERNE

Die Proteste werden auch vom Bundesverband Deutscher Milchviehalter (BDM) und der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL) mitgetragen. "Es gibt neue Patentanträge, die reichen von der Kuh bis zur Milch und dem Joghurt", erklärte Romuald Schaber vom BDM. "Die Bundesregierung muss der Gier der großen Konzerne auf Lebewesen endlich Grenzen setzen."

Die Entwicklungsorganisation MISEREOR befürchtet, dass Bauern in Entwicklungsländern durch derartige Patente die Rechte an ihrem eigenen Saatgut verlieren. Patente auf Saatgut trügen über die Verteuerung des Anbaus zur Verschärfung der weltweiten Ernährungslage bei.

Einen ersten Erfolg für die Unabhängigkeit der Landwirtschaft konnten die Patentierungsgegner bereits verbuchen. Im März verlangten die Hessische Landesregierung und die Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Deutschen Bundestag eine Änderung der europäischen Patentgesetze, um die Erteilung derartiger Patente in Zukunft zu verbieten.

“Patente verursachen hohe Kosten und steigern die Abhängigkeit von Landwirtschaft und mittelständischen Züchtern”, sagte Ulrike Höfken, Sprecherin für Ernährungspolitik und Verbraucherfragen der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. “Patentinhaber können Kontrolle über die gesamte Lebensmittelproduktion erhalten. Die Sortenvielfalt bei Kulturpflanzen, die globale Ernährungssicherheit und das Erreichen der Millenniumsziele zur Hungerbekämpfung werden so gefährdet.”

www.no-patents-on-seeds.org
www.keinpatent.de

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