Madagaskar-MausmakiGenf (epo.de). - Das seit Monaten andauernde politische Chaos in Madagaskar gefährdet nach den Erkenntnissen von Tierschützern den einzigartigen Artenreichtum des Inselstaates. Tierschmuggler nützten die Gelegenheit, um um unbehelligt bedrohte Arten außer Landes zu schaffen, berichtete die NGO Pro Wildlife am Donnerstag in München. Dennoch wolle der Tierausschuss des Washingtoner Artenschutzübereinkommens ab dem 20. April in Genf darüber beraten, das bisherige Handelsverbot für dutzende Reptilienarten aufzuheben.

“Wird der Handel jetzt weiter geöffnet, wird die Situation völlig eskalieren”, warnte Daniela Freyer, die für Pro Wildlife an der Konferenz in der Schweiz teilnimmt. Die Insel Madagaskar spaltete sich vor 150 Millionen Jahren vom afrikanischen Kontinent ab. Unter den isolierten und besonderen klimatischen Bedingungen entwickelte sich dort eine einzigartige Artenvielfalt: 85 Prozent der Tiere und Pflanzen Madagaskars sind endemisch. Sie kommen nur auf Madagaskar vor. Bei Fröschen und Reptilien sind es sogar mehr als 90 Prozent.

Besonders skurrile oder seltene Arten sind bei Sammlern weltweit begehrt: “Tierhalter in aller Welt zahlen Höchstpreise für seltene Reptilien aus Madagaskar”, berichtete Freyer. “Ein Parson’s Chamäleon kostet über 2.000 Euro, eine streng geschützte Schnabelbrustschildkröte sogar bis zu 30.000 Euro.”

CITES-AUSSCHUSS DISKUTIERT FREIGABE

Vom 20. bis 24. April diskutiert der Tierausschuss des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens (WA, engl. CITES) in Genf, ein seit 15 Jahren geltendes Handelsverbot*** für begehrte madagassische Chamäleons und Taggeckos aufzuheben. “Für den Artenschutz wäre das eine Katastrophe – besonders weil in Zeiten instabiler politischer Verhältnisse der Vollzug praktisch nicht stattfindet”, warnte Freyer.

Artenschützer und Handelsbefürworter werden auf der Konferenz auch heiß über den derzeit erlaubten Handel mit den farbenfrohen Buntfröschen diskutieren – viele stehen auf der Roten Liste bedrohter Arten. So will Madagaskar nach Angaben von Pro Wildlife 2.500 Exemplare des vom Aussterben bedrohten Goldfröschchens (Mantella aurantiaca) und 500 der stark gefährdeten safranfarbenen Buntfröschchen (Mantella crocea) exportieren. Wegen der hohen Sterblichkeit werden hierfür fast doppelt so viele Tiere gefangen.

Nach Einschätzung von Pro Wildlife hat der Handel verheerende Folgen: “Das Verbreitungsgebiet des Goldfröschchens ist klein, die Bestände schwinden. Und Mantella crocea kommt nur an einer einzigen Stelle überhaupt vor. Der Handel treibt die Ausrottung dieser Arten voran. Die Staatengemeinschaft muss jetzt dringend eingreifen und den Ausverkauf stoppen.”

TIERHANDEL IST KEIN MITTEL ZUR ARMUTSBEKÄMPFUNG

Das häufig gebrauchte Argument, der Tierhandel könne die Armut der madagassischen Bevölkerung lindern, hält Freyer für scheinheilig: “Ein Tierfänger erhält pro gefangenem Goldfröschchen nur drei bis sechs Euro-Cent, hierzulande kostet es etwa 80 Euro, also das 1.800-fache. Den großen Reibach machen die Tierhändler in Europa und den USA, sowie in Madagaskar ansässige ausländische Exporteure.”

Unter der neuen, demokratisch nicht legitimierten Regierung erlebten Wilderei, Schmuggel und Korruption einen regelrechten Boom, so Freyer. In den letzten Monaten seien in diversen Ländern geschützte Tiere und Pflanzen aus Madagaskar beschlagnahmt worden.

Die Biologin appelliert an den WA-Tierausschuss, den Handel nicht auszuweiten: “Madagaskar kann den vom WA geforderten Nachweis nicht erbringen, dass der Tierhandel naturverträglich ist. Teils fehlen die erforderlichen Informationen über die Bestandsgröße völlig, teils gehen die Bestände sogar zurück. Also darf der Handel auch nicht genehmigt werden.”

***Ausgenommen von dem Handelsverbot sind bislang nur je vier Chamäleon- und Taggeckoarten, von denen jeweils 2.000 Exemplare pro Jahr gehandelt werden dürfen: Goldstaub-Taggecko (Phelsuma laticauda), Streifen-Taggecko (P. lineata), Madagaskar-Taggecko (P. madagascariensis) Pfauenaugen-Taggecko (P. quadriocellata), Teppichchamäleon (Furcifer lateralis), Riesenchamäleon (F. oustaleti), Pantherchamäelon (F. pardalis) und Warzenchamäleon (F. verrucosus).

Foto: Magagaskar-Mausmaki

www.prowildlife.de

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