Ivo Knoepfel. Foto: onValuesBonn (epo.de). - Der Finanzmarkt betrachtet das angestrebte UN-Klimaabkommen im Dezember in Kopenhagen als "Kipp-Punkt für den weiteren Ausbau nachhaltiger Investitionen", inbesondere im Umwelt- und Klimabereich. Ein ambitioniertes Kyoto-Folgeabkommen könnte "grünen und sozialverträglichen Produkten und Konzepten" zum Durchbruch verhelfen, heißt es in einer neuen Germanwatch-Studie. Ein Scheitern der Verhandlungen hingegen würde das Interesse für nachhaltige Anlageprodukte dämpfen, so Ivo Knoepfel (Foto), der Autor der Studie.

Knoepfel, Chef des Zürcher Beratungsunternehmens "onValues", verfasste für Germanwatch ein 20-seitiges Papier, das der Frage nachgeht, welche potenziellen Folgen die Finanzkrise auf mögliche Bestrebungen der Finanzindustrie hat, ökologische und soziale Faktoren in Investitionsentscheidungen einzubeziehen. Kurzfristig erwartet der Autor "Rückschläge". Der Kopenhagener Klimagipfel könne aber ein "'make or break' tipping point" werden.

"Ein ambitioniertes Klimaabkommen in Kopenhagen wird ein deutliches Signal an den Finanzmarkt senden, um einen Durchbruch von grünen und sozialverträglichen Produkten und Konzepten auszulösen. Allerdings könnte ein Scheitern der Verhandlungen in Kombination mit der derzeitigen Finanzkrise das Interesse für nachhaltige Anlageprodukte auch für eine lange Zeit auf Eis legen", so Ivo Knoepfel.

onValues zufolge haben sich Finanzmarktakteure und private Anleger in den vergangenen Jahren zunehmend für Investitionsmöglichkeiten in Energieeffizienz, erneuerbare Energien oder andere klimafreundliche Dienstleistungen und Produkte interessiert. Dieser noch recht junge Markt sei aber anfällig für starke Marktveränderungen, wie sie von der jetzigen Finanzkrise ausgelöst würden. Bereits jetzt würden vereinzelt Nachhaltigkeitsabteilungen bei Banken verkleinert und die Analyse von nachhaltigen Anlageentscheidungen an externe Dienstleister ausgelagert. Auch Rentenfonds reduzierten ihre Anteile in nachhaltige Investitionen. Abhängig davon, wie lange die Finanzkrise noch anhält, könnte es zu noch drastischeren Einschnitten kommen, warnt Knoepfel, vor allem, wenn der Markt in einen "Überlebensmodus" verfalle, bei dem nur noch in gängige Kapitalklassen investiert würde, ohne ökologische und sozial gerechte Investitionen zu berücksichtigen.

Responsible Investments. Grafik: onValues-Studie

Grüne Investitionen in Erneuerbare Energien und Klimaschutztechnologien sind nach Beobachtungen von Germanwatch und onValues in den Ländern weniger geschrumpft, in denen es unterstützende politische Rahmenbedingungen wie das deutsche Erneuerbare Energien-Gesetz gibt. Christoph Bals, politischer Geschäftsführer bei Germanwatch, sieht in einem ambitionierten Klimaabkommen eine große Chance dafür, dass "solche erfolgreichen nationalen Maßnahmen auf internationale Ebene übertragen werden".

"Wer sich vor künftig hohen Energiepreisen sichern will, wer zukunftssichere Arbeitsplätze mitten in der Wirtschaftskrise schaffen will, wer die schlimmsten Folgen des Klimawandels vermeiden will, der wird jetzt in großem Maße in Energieeffizienz und Erneuerbare Energien und die notwendige Infrastruktur investieren", so Bals. Die Finanzindustrie warte "auf frischen Wind aus Kopenhagen".

Fotos: Windkraft in Kolumbien © GTZ / Peter Korneffel | Portrait Ivo Knoepfel © onValues | Grafik Responsible Investments © onValues/Robeco Booz & Company

Studie: "Observed and expected impacts of the current financial crisis on the investment industry’s consideration of ESG and climate-related issues"

www.onvalues.ch
www.germanwatch.org

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