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oecd migration outlookBerlin (epo.de). - Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet für 2009 infolge der globalen Wirtschaftskrise erstmals seit den 1980er Jahren einen deutlichen Rückgang der Arbeitsmigration. In Irland, Spanien oder Großbritannien ist diese Entwicklung bereits in vollem Gange, heißt es im Internationalen Migrationsausblick, der am Dienstag in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. OECD-Generalsekretär Angel Gurría warnte vor einer Abschottung gegen Migration und rief zu einer bedarfsgerechten, fairen und effektiven Migrations- und Integrationspolitik auf.

Migranten und ihre Familien in den OECD-Ländern sind dem Bericht zufolge besonders stark von der Krise betroffen. Sie seien häufig die ersten, die bei einem Anstieg der Arbeitslosigkeit ihren Job verlieren. So habe sich etwa in Irland oder Spanien die Arbeitslosenquote bei Zuwanderern seit Beginn der Krise fast verdoppelt. In Spanien lag die Arbeitslosenquote im ersten Quartal 2009 bei Zuwanderern bei 27,1 Prozentm die Quote der übrigen Bevölkerung dagegen bei 15,2 Prozent.

IN DEUTSCHLAND BENACHTEILIGT

"In Deutschland gehörten Migranten schon vor der Krise zu den benachteiligten Gruppen", stellt die OECD fest. Die Arbeitslosenquote für Migranten lag schon 2007 knapp doppelt so hoch wie bei im Inland geborenen. In Österreich und der Schweiz ist die Arbeitslosenquote bei Migranten aktuell sogar mehr als doppelt so hoch. So lag in Österreich im ersten Quartal 2009 die Arbeitslosenquote unter den Migranten bei 10 Prozent, unter im Land geborenen Personen dagegen nur bei 3,7 Prozent.

Migranten arbeiten der Studie zufolge häufig in Branchen, die besonders stark von der Krise betroffen sind, wie etwa in der Bauwirtschaft, im Tourismus oder im Gastgewerbe. Außerdem sind sie häufig in unsicheren Arbeitsverhältnissen und Jobs mit geringen Qualifikationen beschäftigt. "Politiker sollten angesichts dieser Herausforderungen die Arbeitsmarktintegration von Migranten zu einer Priorität machen", sagte OECD-Generalsekretär Gurría bei der Präsentation der Studie.

Migraten unter den Beschäftigten. Grafiik: OECD

WENIGER ARBEITSMIGRANTEN

Die Auswirkungen der Krise und eine restriktivere Migrationspolitik haben in den OECD-Ländern auch zu einem Rückgang der Zahl der Arbeitsmigranten geführt. Zum ersten Mal seit langer Zeit sei in den USA das Kontingent für temporäre Arbeitsvisa nicht ausgeschöpft worden, stellt die OECD fest. In Australien sei die Zahl der qualifizierten Migranten in den ersten vier Monaten dieses Jahres um mehr als 25 Prozent zurückgegangen, in Großbritannien und Irland sei die Zuwanderung aus den neuen EU-Staaten um mehr als die Hälfte eingebrochen.

Tschechien, Japan und Spanien versuchen der OECD zufolge durch spezielle Angebote, Migranten zur Rückkehr in ihre Herkunftsländer zu bewegen. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigten jedoch, dass solche Programme meist nur geringe Wirkung zeigen. Die OECD warnt davor, angesichts der Krise die langfristigen Herausforderungen durch den demografischen Wandel nicht aus den Augen zu verlieren.

"Migration funktioniert nicht wie der Wasserhahn, der sich nach Belieben auf und zudrehen lässt", sagte Gurría. Vielmehr sei eine Zuwanderungspolitik erforderlich, die den kurzfristigen konjunkturellen Bedingungen Rechnung trägt, ohne die strukturellen Bedürfnisse auszublenden. In der Studie schlägt die OECD deshalb ein Bündel von Maßnahmen vor, um Arbeitsmigration an den langfristigen Bedarf anzupassen und gleichzeitig irreguläre Migration und illegale Beschäftigung in legale Kanäle zu überführen. Gleichzeitig fordert die OECD mehr Anstrengungen, um die Arbeitsmarktintegration von Migranten und ihrer Kinder zu verbessern.

"Wir brauchen eine bedarfsgerechte, faire und effektive Migrations- und Integrationspolitik, die sowohl in wirtschaftliche guten wie in wirtschaftlich schlechten Zeiten funktioniert", sagte Gurría. "Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass sowohl die Herkunfts- wie auch die Zielländer von Migration profitieren. Dazu bedarf es auch einer verantwortlichen Rekrutierungspolitik, mit der ein 'Brain Drain' aus den Herkunftsländern vermieden wird."

www.oecd.org/de/migrationoutlook

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