Umaru Yar'Adua. Foto: Wikimedia CommonsAbuja/Berlin (epo.de). - Die religiös motivierten Unruhen in mehreren Bundesstaaten Nord-Nigerias seien "unter Kontrolle", erklärte Präsident Umaru Yar'Adua (Foto). Doch allein in Potiskum im Bundesstaat Yobe starben am Mittwoch Agenturberichten zufolge 30 Menschen, als Sicherheitskräfte gegen islamische Fundamentalisten vorgingen. In Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaates Borno, herrschte gespenstische Ruhe, nachdem am Montag nach Polizeiangaben 200 Menschen getötet worden waren. Rund 3.000 Bewohner der Stadt sind geflohen.

Der Aufruhr islamischer Fundamentalisten sei in den Staaten Bauchi und Yobe eingedämmt, im Bundesstaat Borno sei die Lage aber noch angespannt, sagte Präsident Yar'Adua, ehe am Mittwoch neue gewaltsame Auseinandersetzungen den islamisch geprägten Nordteil Nigerias erschütterten. Die nigerianische Tageszeitung Daily Independent berichtete, seit Freitag seien rund 600 Menschen getötet worden.

Im Bayan-Viertel in Maiduguri, wo die schlimmsten Auseinandersetzungen zwischen Polizeikräften, Militär und islamischen Fundamentalisten im Bundesstaat Borno stattfanden, verteilte das nigerianische Rote Kreuz Nahrungsmittel und Plastikplanen an Vertriebene. Rund 3.000 Menschen flohen aus Angst vor neuer Gewalt aus der Stadt, berichtete IRIN, ein Nachrichtenkanal der Vereinten Nationen. Die Sicherheitskräfte hätten als Vergeltung das Hauptquartier einer islamischen Gruppe und das Wohnhaus ihres Führers beschossen.

Die Unruhen hatten am Wochenende mit Angriffen militanter Islamisten auf Polizeistationen begonnen. Die nigianischen Medien sprechen von einer islamischen "Sekte", die die Aufstände schüre. Eine militante Gruppe namens "Boko Haram" (Bildung ist Sünde") hatte den Medienberichten zufolge im Bundesstaat Bauchi gegen die Inhaftierung einiger ihrer Führer protestieren wollen. Als ihr Protestzug in der Stadt Bauchi von der Polizei aufgelöst werden sollte, eskalierte die Situation. Die Gewalt griff auf mehrere andere Bundesstaaten über.

Am Montag nahm die Situation eine neue Wendung, als in Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaates Borno, tausende Militante die Stadt stürmten und christliche Kirchen zerstörten. Zwei Pastoren sollen getötet worden sein. Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften starben mehr als 100 Menschen. In den nördlichen Bundesstaaten wurden laut "Independent" allen am Montag mehr als 300 Opfer gezählt. Die militanten Islamisten waren meist militärisch gekleidet und mit AK 47-Gewehren, Flinten, Pfeil und Bogen oder Schwertern bewaffnet.

Politische Gliederung Nigerias. Wikimedia Commons

Im Bundesstaat Kano, wo eine mit der "Boko Haram"-Sekte verbündete Gruppe von Fundamentalisten agiert, sagte deren inhaftierter Führer Abdulmimuni Ibrahim Mohammed nach Polizeiangaben, ihre Mission sei, die Forderung nach der Abschaffung westlich orientierter Bildung in Nigeria zu verbreiten. Diese habe keinen Platz im Islam und repräsentiere "das Böse".

Die Gruppe "Boko Haram" wird laut Medienberichten von Mohammed Yusuf geführt und fordert neben der Abschaffung westlicher Bildung die Einführung der islamischen Rechtsprechung (Scharia) in ganz Nigeria. Die nördlichen Bundesstaaten werden bereits nach der Scharia regiert. Präsident Umaru Yar'Adua habe angeordnet, die Anführer des Aufruhrs mit allen Mitteln ausfindung zu machen und strafrechtlich zu verfolgen, erklärte ein Sprecher der Regierung in der Hauptstadt Abuja.

Nigeria: Zahlreiche Tote bei Angriffen militanter Fundamentalisten
de.wikipedia.org/wiki/Nigeria



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