Afghanische NachrichtenagenturKabul/Berlin (epo.de). - Die Berichterstattung in afghanischen Medien vor der Präsidentschaftswahl am 20. August ist unausgewogen und parteilich. "Viele Fernseh- und Hörfunkstationen haben in ihren Programmen ausgewählte Kandidaten bevorzugt. "Vor allem das staatliche Fernsehen und die meisten staatlichen Hörfunkprogramme enthalten den Wählern unabhängige Informationen vor: Sie unterstützen eine Wiederwahl des amtierenden Präsidenten Hamid Karsai", kritisierte Reporter ohne Grenzen (ROG) am Dienstag in Berlin.

Nach Angaben der Journalistenorganisation hat die "Unabhängige Wahlkommission" eine "Medienkommission" eingerichtet, um eine ausgewogene Berichterstattung während des Wahlkampfes, der am Dienstag früh endete, zu gewährleisten. ROG hält dies jedoch für unzureichend. "Die Sicherheit und Freiheit der afghanischen Journalisten müssen dringend mit Hilfe eines neuen Mediengesetzes garantiert werden", forderte ROG.

Die Organisation berichtet, viele Journalisten berichteten aus Angst vor Drohungen und Gewalt nicht frei und unabhängig. Die Mehrheit der privaten Sender befolge zwar die Charta der Medienkommission, in der zu einer gerechten Berichterstattung über die Kandidaten in den Nachrichtenprogrammen aufgerufen wird. In anderen Programmen favorisierten die Medien jedoch weiter den einen oder anderen Kandidaten. Nicht nur die Taliban bedrohen nach Angaben von ROG einheimische und ausländische Journalisten, sondern auch kriminelle Gruppen, Politiker und Sicherheitsbeamte.

"Gewalt gegen Journalisten und insbesondere die wachsenden Übergriffe auf Journalistinnen dürfen nicht straffrei bleiben, sonst geben die wenigen Frauen in den Medien ihre Arbeit auf", warnte ROG.

In Briefen an die wichtigsten Kandidaten der Präsidentschaftswahl, darunter Hamid Karsai, Abudllah Abdullah, Aschraf Gahni, Ramasan Baschardost und Sajed Dschalal Karim, forderte ROG konkrete Schritte zur Verbesserung der Pressefreiheit, darunter die Wiederaufnahme von Ermittlungen in Fällen von Mord und gewalttätigen Übergriffen gegen Journalisten. Straffrei entkommen seien beispielsweise die Mörder von Sakia Saki, der ehemaligen Leiterin der Hörfunkstation "Friedensradio", von Abdul Rohani, einem Reporter der BBC, und Jawed Ahmad, der für verschiedene kanadische Medien arbeitete.

Afghanistan steht auf der aktuellen ROG-Rangliste zur Lage der Pressefreiheit auf Platz 156 von insgesamt 173 Staaten.

www.reporter-ohne-grenzen.de



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