ISAF in Afghanistan. Quelle: NATOKabul/Berlin (epo.de). - Mehr als 50 Tote bei Anschlägen und in Gefechten mit Taliban, Manipulation und Stimmenkauf, Wahllokale, die aus Sicherheitsgründen gar nicht erst öffneten, Drohungen gegen Wähler - das ist die Bilanz der Präsidentschaftswahlen in Afghanistan. Mit einem amtlichen Ergebnis wird erst für Anfang September gerechnet. Dennoch verkündete der Wahlkampfleiter des amtierenden Präsidenten Hamid Karsai bereits am Freitag, der Präsident sei im Amt bestätigt worden. Auch sein wichtigster Kontrahent Abdullah Abdullah reklamierte einen Erfolg für sich.

Erste Hochrechnungen hätten ergeben, dass Karzai die Mehrheit der Stimmen erzielt habe, verlautete aus dem Wahlkampfbüro Karsais. Eine Stichwahl sei damit voraussichtlich nicht notwendig. Die Wahlkommission erklärte lediglich, die Stimmenzählung sei beendet. 40 bis 50 Prozent der Wahlberechtigten hätten ihre Stimme abgegeben.

Abdullah Abdullah erklärte gegenüber Associated Press, er sei trotz Wahlmanipulationen in einigen Teilen des Landes in Führung. Er rechne mit einer Stichwahl.

In Europa und den USA wird der Urnengang trotz der Gewalt als "Erfolg" gewertet. Für US-Präsident Barack Obama war die Wahl "anscheinend erfolgreich", für Bundeskanzlerin Angela Merkel ein "wichtiger Abschnitt in der Geschichte der demokratischen Entwicklung".

50 TOTE AM "ERFOLGREICHEN" WAHLTAG

Den bedeutendsten Zwischenfall gab es in der nordafghanischen Stadt Baghlan, die von Taliban gestürmt wurde. Die Öffnung der Wahllokale wurde verhindert. Bei anschließenden Gefechten starben nach Angaben der Polizei 21 Aufständische. Insgesamt wurden nach Angaben des Innenministeriums mehr als 50 Menschen getötet.

In westlichen Ländern, die die Wahlen als Legitimation eines massiven Truppeneinsatzes der NATO-Streitkräfte in Afghanistan (ISAF) betrachten, wurde die erste von der afghanischen Regierung selbst durchgeführte Wahl seit 30 Jahren als Erfolg gewertet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte die Wahl zu einem "wichtigen Abschnitt in der Geschichte der demokratischen Entwicklung" Afghanistans. Sie sei ein Zeichen dafür, dass sich in Afghanistan vieles geändert habe, sagte sie in Bielefeld. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, die Wahl sei ein "Erfolg demokratischer Tugenden" nach 30 Jahren Terror und Krieg. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nannte den Urnengang "ein Zeugnis der Entschlossenheit des afghanischen Volkes, die Demokratie aufzubauen".

ISAF in Afghanistan. Quelle: NATO

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon würdigte den Mut afghanischer Wähler, trotz der Gefahr von Anschlägen und Drohungen durch die Taliban zur Urne zu gehen. "By exercising their constitutional right to vote, the Afghan people have demonstrated again their desire for stability and development in their country", erklärte Ban in einer Stellungnahme. Für Kai Eide, den Chef der UN-Mission in Afghanistan (UNAMA), ist "der positivste Aspekt der Wahl" die Beobachtung, dass "die Sicherheitslage besser war als befürchtet".

Bei der Wahl wurden auch die Provinzräte wurden neu bestimmt. Um die 420 Mandate in den 34 Provinzen des Landes bewarben sich 3.197 Kandidaten, darunter 328 Frauen.

Das offizielle Ergebnis der Wahl wird erst am 3. September veröffentlicht. Eine mögliche Stichwahl findet sie am 1. Oktober statt.

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