Kochstelle in Uganda. Foto: GTZBonn (epo.de). - 80 Prozent der afrikanischen Bevölkerung sind von Biomasse als Hauptenergiequelle abhängig. Eine internationale Fachtagung in Bonn hat sich jetzt dieser Problematik angenommen und eine Kehrtwende hin zu erneuerbaren Energien gefordert. "Der fehlende Zugang zu moderner Energie ist ein wesentliches Entwicklungshemmnis in Afrika", erklärte die stellvertretende VENRO-Vorstandsvorsitzende Christa Randzio-Plath.

Ohne einen besseren Zugang der Bevölkerung in Afrika zu nachhaltigen Energiequellen drohe der Kontinent wirtschaftlich weiter abgehängt zu werden, lautete das Fazit der Fachtagung "Rethinking Biomass Energy in Sub-Sahara Africa" am 25. August in Bonn. Die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, könne durch eine effiziente und nachhaltige Energiepolitik gesenkt werden", sagte Randzio-Plath. Die nationalen und internationalen Geber müssten deshalb mehr in die Nutzung moderner Energie investieren.

Im Zentrum der Tagung stand die Vorstellung einer Studie des "International Center for Energy, Environment and Development" (ICEED) in Nigeria, die vom Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) und dem Forum Umwelt und Entwicklung in Auftrag gegeben worden war. In einer Panel-Diskussion tauschten Vertreter der afrikanischen und europäischen Zivilgesellschaft, Regierungsvertreter und Teilnehmer aus Forschung und Industrie Kriterien für erfolgreiche Bioenergie-Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit aus.

Die überwiegende Nutzung von Biomasse wie Feuerholz in afrikanischen Haushalten hat nach Aussage der Experten schwerwiegende Folgen. Die durch ineffiziente Kochöfen produzierte Luftverschmutzung fordere jedes Jahr bis zu einer halbe Millionen Tote, so VENRO.

Kochstelle in Uganda. Foto: GTZ

Kochstelle in Uganda. Foto: GTZ

Energieversorgung sei aber kein technische, sondern eine politische Frage und müsse insbesondere in der ländlichen Entwicklung eine größere Rolle spielen. "Die Afrika-EU-Energiepartnerschaft muss die afrikanischen Länder dabei unterstützen, politische Rahmenbedingungen für die Nutzung von moderner Bioenergie zu schaffen", betont Randzio-Plath. Hier seien insbesondere die afrikanischen Regierungen gefordert.

Afrikas Energiepolitik sollte die Potenziale dezentraler erneuerbarer Energien stärker berücksichtigen, schlug Jürgen Maier, Geschäftsführer des Forums Umwelt und Entwicklung, vor. Zentralisierte Pläne für Großkraftwerke könnten die Energiearmut weiter Teile des Kontinents nicht beheben. Maier forderte die Vereinbarung von Nachhaltigkeitsstandards für die Produktion von Bioenergie. Nur so könne sichergestellt werden, dass Bioenergie einen Beitrag zur Armutsbekämpfung leistet und nicht nur die Profitinteressen der Investoren erfüllt.

Ewah Eleri vom nigerianischen Wissenschaftsinstitut ICEED, Autor der Studie "Rethinking Biomass Energy in Sub-Sahara Africa", kritisierte das Politikversagen vieler afrikanischer Regierungen in Form von Korruption und schlechter Regierungsführung. Das Setzen von Energiezielen könnte die Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele (MDG) in Afrika befördern, erklärte der Wissenschaftler. Er rief Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Regierungen auf stärker zusammenzuarbeiten, um diese enorme Herausforderung anzugehen.

Studie (Entwurf) "Rethinking Biomass Energy in Sub-Sahara Africa" (PDF, 470 KB)

Hintergrund:
www.afrikas-perspektive.de

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