cop15Berlin (epo.de). - 18 Tage vor Beginn des UN-Klimagipfels in Kopenhagen hat ein Bündnis nichtstaatlicher Organisationen die Bundesregierung dazu aufgerufen, sich für ein ehrgeiziges und rechtlich verbindliches Klima-Abkommen einzusetzen. Eine ambitionierte Klimapolitik sei eine Frage der globalen Gerechtigkeit, betonte das NGO-Bündnis anlässlich der Fachkonferenz "Countdown to Copenhagen" am Mittwoch in Berlin. Bereits jetzt seien die Auswirkungen des Klimawandels wie Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle in den armen Ländern sichtbar.

"Deutschland und die anderen Industrieländer müssen als Hauptverursacher des Klimawandels die Menschen in den armen Ländern bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels und bei einer klimafreundlichen Entwicklung angemessen unterstützen. Ein Scheitern von Kopenhagen wäre fatal - für die Menschen in Entwicklungsländern", erklärten Brot für die Welt, Evangelischer Entwicklungsdienst (EED), Germanwatch, Heinrich-Böll-Stiftung, Misereor, Oxfam Deutschland und Welthungerhilfe. Insbesondere die ärmsten Entwicklungsländer müssten "ausbaden, was maßgeblich die Industrieländer verursacht haben". Zwar stiegen die Emissionen derzeit vor allem in den Schwellenländern. Drei Viertel des seit der Industrialisierung ausgestoßenen Kohlendioxids seien jedoch auf die reichen Länder zurückzuführen.

"Die Kosten der Untätigkeit für den Klimaschutz sind für die Menschen in den Entwicklungsländern extrem hoch", sagte Negusu A. Woldemedhin, Direktor des Ethiopian Forum for Environment. "Bauern und Viehhalter in ganz Afrika bezahlen den Klimawandel teuer, mit zunehmenden Nöten und Todesfällen. Das Sozialgefüge löst sich auf. Die USA reagieren weder rechtzeitig noch verantwortungsvoll auf die globale Klimakrise. Die EU handelt zwar, aber nicht entschlossen genug und nicht im nötigen Ausmaß. Die Länder, die historisch in der Verantwortung stehen, müssen eine führende Rolle einnehmen statt abzuwarten. Einige reiche Länder können es sich vielleicht erlauben einen Klimavertrag zu verzögern, weil wir Menschen in den armen Länder es sind, die die Kosten tragen müssen. Die Industrieländer sollten verantwortungsvoll und unverzüglich reagieren, um den Kohlenstoff-Krieg, der die Schwachen und Unschuldigen umbringt, zu beenden: Wo sind eure Demokratie und Moral geblieben?"

Barbara Unmüßig vom Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung erklärte, Kopenhagen biete eine Chance für einen ambitionierten, gerechten und rechtlich bindenden globalen Klimavertrag. Was bislang an Zielen zur Reduktion von Emissionen auf dem Tisch liege, sei aber weit davon entfernt, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. "Bei der Klimafinanzierung sieht es noch düsterer aus. Die Industrieländer blockieren einen fairen Deal. Die EU muss endlich ihren fairen Anteil auf den Tisch legen. Kopenhagen ist kein Selbstläufer. Nur mit Vorreitern könnte noch ein Durchbruch gelingen. Kanzlerin Merkel und die politischen Entscheidungsträger aller Parteien sind gefragt, die Jahrhundertaufgabe Klimaschutz ernst zu nehmen und für Mehrheiten für eine klimagerechte Politik zu kämpfen."

Der politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals, forderte, der Klimagipfel in Kopenhagen müsse "einen Schub an Dynamik" erzeugen. "Denn die letztlich entscheidende Gerechtigkeitsfrage ist nicht, wer wie viel Klimaschutz schultern muss, sondern wer eine faire Chance hat, an der vor uns liegenden technologischen Revolution teilzuhaben."

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