gorilla_100München (epo.de). - Die verstärkte Nachfrage nach dem seltenen Roherz Coltan in der Demokratischen Republik Kongo bedroht nach Berichten der Artenschutzorganisation Pro Wildlife die letzten Rückzugsgebiete von Gorillas. Pro Wildlife befürchtet verheerende Folgen für die Menschenaffen: Die Minenarbeiten zerstören den Lebensraum der Tiere, und für die Fleischversorgung der Arbeiter werden die Gorillas im großen Stil gewildert.

Das seltene Mineralerz Coltan wird in Handys, Spielekonsolen und in Laptops verwendet. Pro Wildlife fordert, dass Elektronikproduzenten kein Coltan aus dem Kongo mehr verarbeiten, bis zuverlässige Umweltstandards Raubbau und Wilderei ebenso ausschließen wie eine Mitfinanzierung des Bürgerkriegs.

In den Bürgerkriegsregionen der Demokratischen Republik Kongo spielt sich neben dem humanitären auch ein ökologisches Desaster ab: Minenarbeiter bauen im Auftrag der verfeindeten Milizgruppen das Erz Columbit-Tantalit (kurz Coltan) ab – sogar in Rückzugsgebieten der bedrohten Grauer-Gorillas und Berggorillas. Um die Minenarbeiter im Kongo mit Fleisch zu versorgen, werden Wildtiere geschossen. Gorillas seien wegen ihrer Größe bei den Jägern besonders begehrt, so Pro Wildlife.

Bereits während des ersten High-Tech-Booms im Jahr 2001 sei die Hälfte aller Grauer-Gorillas im Kahuzi-Biega-Nationalpark getötet worden, berichtet Pro Wildlife. Auch der Virunga-Nationalpark, eine der letzten Zufluchtsorte der Berggorillas, sei betroffen. Nun schlägt Pro Wildlife Alarm, dass die Menschenaffen erneut in großer Gefahr sind: "Seit vor einem Jahr die weltweit größte Coltan-Mine in Australien geschlossen wurde, ist der Kongo zum Coltan-Hauptlieferanten geworden", berichtet Sandra Altherr von Pro Wildlife. "Und noch immer gehören europäische Firmen zu den Kunden der kongolesischen Milzen, die mit Coltanabbau ihren Krieg finanzieren."

Vor einem Jahr beendeten Pro Wildlife zufolge die Betreiber der Wodgina-Mine in Australien ihre Förderaktivitäten – unter anderem, weil sie mit den Dumpingpreisen für Coltan aus Zentralafrika nicht mehr mithalten konnten. Bis dahin habe die weltweit größte Quelle 31 Prozent des Marktes abgedeckt. Im Frühjahr hätten auch zwei weitere Minen in Kanada und Mozambik die Produktion gestoppt. "Zwar können manche Hersteller von High-Tech-Produkten noch auf Coltan-Vorräte zurückgreifen, doch nun entstehen Versorgungslücken, die aus dem Kongo aufgefüllt werden", so die Pro Wildlife Sprecherin. Wurden 2004 nur 92 Tonnen Coltan im Kongo produziert, waren es 2007 bereits 426 und 2008 etwa 517 Tonnen. Im Jahr 2009 sei mit über 750 Tonnen zu rechnen, so Pro Wildlife.

Coltan aus dem Kongo findet noch immer seinen Weg auf den europäischen Markt – entweder direkt oder über den Umweg Ruanda. Laut einer Expertengruppe der Vereinten Nationen beziehen Firmen mit Sitz in Belgien, England, Österreich, der Schweiz und in Holland kongolesisches Coltan. "Wer Coltan aus dem Kongo verarbeitet, finanziert einen grausamen Bürgerkrieg und macht sich mitschuldig an der Ausrottung der Gorillas", kritisiert Altherr. Derzeit entwickele die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover eine geochemische Methode, um die Herkunft von Coltan nachzuweisen. Bisher gebe dies jedoch noch keine Sicherheit: "Solange Firmen keine Nachweispflicht für eine umweltverträgliche Coltan-Produktion haben und die Unabhängigkeit der Testlabors nicht gewährleistet ist, geht der Raubbau im Kongo weiter", so die Pro Wildlife Sprecherin.

Das Columbit-Tantal-Erz ist für die Produktion von Kfz-Elektronik, Mobiltelefonen, Spielekonsolen und Laptops notwendig. Die Miniaturisierung digitaler Geräte in den letzten zehn Jahren hat dazu geführt, dass die Nachfrage nach Coltan stetig steigt. Coltan hat im Vergleich mit anderen Metallen eine sehr niedrige Recyclingrate (30 Prozent). Jährlich werden nur etwa 1.400 Tonnen produziert, und rund 80 Prozent des Weltvorkommens werden im Kongo vermutet.

Foto: Gorilla (Wikimedia Commons)

www.prowildlife.de

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