gfbvGöttingen (epo.de). - Libyens Staatschef Muammar al Gaddafi hat seit November 2009 hunderte Schwarzafrikaner verhaften, foltern und deportieren lassen. Das berichtete die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Donnerstag in Göttingen. 149 Staatsbürger Malis seien bereits ausgewiesen worden. 3.800 Angehörige der Toubou, einer schwarzafrikanischen Minderheit im Südosten Libyens, habe man gewaltsam aus ihren Siedlungen vertrieben.

Die GfbV warf Gaddafi Rassismus vor."Gaddafi beschwört öffentlich die afrikanische Einheit, betreibt aber die Politik eines arabischen Nationalisten, für den Schwarzafrikaner Menschen zweiter Klasse sind", kritisierte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius.

Die aus Tripolis mit einem Flugzeug abgeschobenen Malier hätten bei der Ankunft in ihrer Heimat am vergangenen Montag berichtet, sie seien von libyschen Polizisten wie Tiere behandelt worden, so die GfbV. Mutwillig seien sie nach ihrer Festnahme geschlagen, angebunden und gefoltert worden. Immer wieder hätten Polizisten ihnen erklärt, Schwarzafrikaner seien wie Hunde und man dürfe kein Mitleid mit ihnen haben. Außerdem hätten die Sicherheitskräfte alles Geld geraubt, das die Festgenommenen besaßen.

Die schwarzafrikanische Minderheit der Toubou ist der GfbV zufolge seit November 2009 systematischer Vertreibung ausgesetzt. Die Häuser vieler Toubou-Familien in der Stadt Kufra seien im Auftrag der Behörden bereits von Bulldozern niedergewalzt worden. Mehrere Dutzend Toubou seien verhaftet worden, weil sie gegen ihre Vertreibung protestierten. Sie seien erst freigelassen worden, als sie öffentlich zusicherten, nichts gegen die Zerstörung ihrer Häuser zu unternehmen. Wer Widerstand gegen die Vertreibung leiste, werde von Sicherheitskräften geschlagen. Manchen Hausbewohnern sei nur wenige Minuten Zeit gegeben worden, um ihre Bleibe vor den anrückenden Bulldozern zu verlassen. Notunterkünfte seien den Betroffenen nicht angeboten worden.

Wie die GfbV weiter berichtete, entzieht Libyen den Toubou seit Dezember 2007 Schritt für Schritt die Bürgerrechte. Ihre Kinder dürften die Schule nicht mehr besuchen, in Krankenhäusern würden Toubou nicht mehr behandelt. Außerdem weigerten sich die libyschen Behörden, Pässe der schon seit langem in Libyen lebenden Toubou-Bauern und -Halbnomaden zu verlängern oder neue Ausweisdokumente auszustellen. Eltern seien mehrfach daran gehindert worden, die Geburt ihrer Kinder offiziell registrieren zu lassen. "Die Vertreibung der Toubou verstößt sowohl gegen libysches Recht als auch gegen das Völkerrecht", erklärte Delius.

Die rund 500.000 Toubou gelten neben den Tuareg als die bedeutendste Bevölkerungsgruppe in der Sahara. Verstreut über eine Fläche von 1,3 Millionen Quadratkilometern, leben die meisten von ihnen in den Nachbarländern Libyens, im Tschad und in Niger.

www.gfbv.de

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