borneo_penan_strassenblockade_si_150Siegburg/Köln (epo.de). - Die australische Regierung will ab 2012 eine Sondersteuer in Höhe von 40 Prozent auf die Gewinne von Rohstoffkonzernen erheben. Dadurch solle die australische Bevölkerung stärker von der Ausbeutung der wertvollen Bodenschätze des Kontinents profitieren, berichten das SÜDWIND-Institut und die Menschenrechtsorganisation FIAN. Die beiden Organisationen fordern, dass auch Entwicklungsländern ein solcher Schritt ermöglicht wird.

In vielen Entwicklungsländern würden große Mengen Rohstoffe gefördert, doch die Regierungen und die Bevölkerung profitierten meist nur in einem sehr geringen Umfang von diesem Wirtschaftszweig, so SÜDWIND und FIAN in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme. Ursache dafür seien Gesetze, die ausländischen Investoren weitgehende Steuerfreiheit einräumen. Diese Gesetze stammten meist aus den 1980er Jahren, als viele der Entwicklungs- und Schwellenländer hoch verschuldet waren und vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank gedrängt wurden Anreize zu schaffen, um Minenkonzerne ins Land zu locken.

"Die neuen Regeln für Investoren sahen vor, dass diese von vielen Steuern, Abgaben und Umweltvorschriften ausgenommen sind", so SÜDWIND und FIAN. "Zudem wurde in den Verträgen festgehalten, dass die einmal gewährten Vergünstigungen über viele Jahre nicht rückgängig gemacht werden dürfen. Heute verzeichnen Bergbauunternehmen hohe Gewinne. Doch anstelle einer angemessenen Beteiligung am Gewinn erhalten die Menschen vor Ort oft nur Umweltzerstörung, Korruption und steigende Armut im Austausch für die Rohstoffe."

Der Fall Ghana zeige, wie kompliziert es für Entwicklungsländer sei, an diesem Zustand etwas zu ändern, berichten die beiden nichtstaatlichen Organisationen. Das Land gehöre zu den größten Goldexporteuren der Welt. Die Lizenzzahlungen seien auf drei bis sechs Prozent der Bruttoeinnahmen beschränkt worden. Dank weit reichender Abzugsmöglichkeiten von Steuern zahlten viele Goldproduzenten in Ghana lediglich die Mindestabgabe von drei Prozent. Trotz stetig gestiegener Goldpreise blieben die Zahlungen auf konstant niedrigem Niveau. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds exportierte Ghana im Jahr 2008 Gold im Wert von knapp 2,7 Milliarden US-Dollar. Die Einnahmen der Regierung aus dem Goldsektor lagen nach Abzug der Subventionen jedoch bei nur 96 Millionen US-Dollar.

Sebastian Rötters, Bergbau-Referent von FIAN, weist auf die Macht der Konzerne hin: "Zwar scheint die ghanaische Regierung angesichts des massiv gestiegenen Goldpreises eine Erhöhung der Abgaben auf fünf Prozent durchsetzen zu können. Große Bergbaukonzerne wie AngloGold Ashanti und Newmont werden diese Erhöhung aber mit Hinweis auf bestehende Verträge umgehen können. Trotz vergleichbarer Argumente ist der steuerliche und somit politische Gestaltungsspielraum Ghanas deutlich geringer als in Australien."

Ghana sei kein Einzelfall, so SÜDWIND und FIAN. Aufgrund der zwischen 2003 und 2008 massiv gestiegenen Preise für metallische Rohstoffe versuchten mehrere afrikanische Regierungen, die niedrigen Abgaben der Rohstoffkonzerne zu erhöhen. Doch diese hätten mit langwierigen und teuren Verfahren vor internationalen Gerichten gedroht. Sie beriefen sich darauf, dass die geltenden Abkommen häufig nachträgliche Steuerrechtsänderungen – aber auch verschärfte Umwelt- und Sozialgesetze – ausschließen.

In den letzten Monaten sind die Rohstoffpreise nach einem Einbruch im Rahmen der Weltwirtschaftskrise wieder massiv gestiegen. Daher verweist die australische Regierung nach Angaben der NGOs ausdrücklich auf die enormen Gewinne der Rohstoffkonzerne und fordert eine angemessene Beteiligung der australischen Bevölkerung. Sie könnte durch die zusätzlichen Einnahmen erheblichen politischen Handlungsspielraum gewinnen.

Friedel Hütz-Adams von SÜDWIND fordert, Entwicklungsländern die gleichen Chancen einzuräumen: "Es ist paradox, wenn Unternehmen aus Industrienationen in Entwicklungsländern Milliardengewinne durch Rohstoffexporte erzielen und gleichzeitig weite Teile der Bevölkerung in bitterer Armut leben und hungern müssen. Mehrere Schritte sind notwendig. Erstens müssen die Förderstaaten angemessen an den Einnahmen aus dem Rohstoffexport beteiligt werden, selbst wenn dafür bestehende Verträge zu ändern sind. Zweitens müssen Konzerne und Regierungen zur Offenlegung aller Zahlungen rund um die Rohstoffgeschäfte verpflichtet werden. Drittens müssen dann die Gelder eingesetzt werden, um die Lebenssituation der Bevölkerung zu verbessern."

www.suedwind-institut.de
www.fian.de

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