crisis_group_200Brüssel (epo.de). - Sowohl die Regierungstruppen als auch die Rebellen der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) haben während der letzten fünf Monate des Bürgerkrieges in Sri Lanka schwere Kriegsverbrechen begangen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der International Crisis Group (ICG), der ein Jahr nach dem Ende des Krieges am Montag in Brüssel veröffentlicht wurde. Die Crisis Group fordert eine internationale Untersuchung der Vorgänge.

Der 54-seitige Bericht mit dem Titel "War Crimes in Sri Lanka" weist darauf hin, im Zeitraum Januar bis Mai 2009 seien zehntausende Zivilisten getötet und zahllose Menschen verwundet worden. Hunderttausende seien durch den Bürgerkrieg von der Versorung mit Nahrung und Medikamenten abgeschnitten worden, wodurch sich die Todesrate noch weiter erhöht habe.

Die Regierung Sri Lankas habe sich seither geweigert, Verletzungen der Menschenrechte und des Völkerrechts von seiten der Regierungstruppen zu untersuchen und bestreite weiterhin jede Verantwortung für zivile Opfer, heißt es in dem Bericht. Eine Aufarbeitung der Vorfälle durch die internationale Gemeinschaft sei nötig, um die Missstände anzugehen, die den Konflikt in Sri Lanka schüren.

"Das Ausmaß der zivilen Todesopfer und des Leidens erfordert eine Reaktion", erklärte die Präsidentin der Crisis Group, Louise Arbour. "Künftige Generationen werden wissen wollen, was passiert ist, und eine friedliche Zukunft in Sri Lanka erfordert Gerechtigkeit."

Beide Konfliktparteien hätten während des 30 Jahre dauernden Bürgerkrieges wiederholt das internationale humanitäre Recht verletzt, betont der Bericht. Die Kriegsverbrechen hätten sich in den letzten Monaten des Konflikts jedoch gehäuft. Die von der Crisis Group gesammelten Fakten deuteten darauf hin, dass die Regierungstruppen wiederholt und absichtlich Zivilisten, Krankenhäuser und humanitäre Einrichtungen angegriffen hätten. Die LTTE habe Zivilisten getötet, verwundet und gefährdet. Die Rebellen hätten auf Zivilpersonen geschossen und sie selbst dann daran gehindert, die Konfliktzone zu verlassen, wenn sie verletzt waren.

In der internationalen Gemeinschaft sei häufig über die Kriegsverbrechen hinweggesehen worden, kritisiert der Bericht. Viele Staaten hätten den Sieg der Regierung über die Rebellen der LTTE begrüßt, auch wenn er um den Preis eines immensen Leidens der Zivilbevölkerung und einer Massiven Verletzung des Völkerrechts zustande kam. Die Vereinten Nationen hätten sich allzu schnell dazu bereit erklärt, der Forderung der Regierung nachzugeben und sich aus dem Kriegsgebiet zurückzuziehen.

Als Folge dieser Entwicklung drohe die "Sri Lanka Option" auf andere Konfliktgebiete überzugreifen, warnen die Autoren des Berichts. Unbegrenzte militärische Offensiven, die Weigerung zu verhandeln, die Missachtung humanitärer Fragen, der Ausschluss internationaler Beobachter einschliesslich der Medien und humanitärer Helfer - all dies scheine jetzt im Umgang mit bewaffneten Aufständen möglich.

"Eine internationale Untersuchung ist notwendig, nicht nur der Gerechtigkeit wegen und für einen lang anhaltenden Frieden in Sri Lanka, sondern auch um eine Wiederholung anderswo zu verhindern", sagte der Direktor des Asien-Programms der International Crisis Group, Robert Templer. "Das würde anderen Regierungen als Warnung dienen, die das 'srilankische Modell' als Option für die eigene Behandlung interner Konflikte in Betracht ziehen."

www.crisisgroup.org

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