ziegenherde_gtz_frank_moerschel_150Berlin (epo.de). - Eine Delegation von Hirtenvölkern aus Asien und Afrika hat am Dienstag in Berlin von der Bundesregierung Anerkennung und Unterstützung für ihre Rolle beim Erhalt der biologischen Vielfalt gefordert. Sie beansprucht die Umsetzung der Rechte, die Hirten und Hirtenvölkern als Bewahrer traditionellen Wissens und wertvoller genetischer Ressourcen durch die Internationale Konvention zur Biologischen Vielfalt (CBD) zugesprochen werden.

Ilse Köhler-Rollefson von der Liga für Hirtenvölker und nachhaltige Viehwirtschaft betonte, dass die nomadische Tierhaltung ein hochgradig schützenswertes traditionelles Wissenssystem darstelle, ohne das die Vielfalt von Nutztierrassen, Flora und Fauna, sowie ganzer Ökosysteme nicht zu erhalten sei. Besonders wichtig für die Ernährungssicherheit der Menschheit sei die entscheidende Rolle von Hirten bei der Erhaltung von adaptierten Nutztierrassen.

"Die genetischen Ressourcen bei den alten Nutztierrassen sind im Gegensatz zu den überall propagierten Hochleistungsrassen nicht von proteinreichem Kraftfutter abhängig", sagte Rudolf Buntzel, Berater Welternährung des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED). "Die Ernährungsansprüche dieser Tiere konkurrieren daher nicht mit denen des Menschen." Nach einhelliger Meinung von Experten könnten diese wertvollen genetischen Ressourcen nur in den traditionellen nomadischen Haltungssystemen bewahrt werden.

Der Wirtschafts- und Lebensweise von Hirtenvölkern werde aber überall auf der Welt mit großen Vorbehalten begegnet, so der EED. Das moderne Rechts- und Wirtschaftssystem diskriminiere sie auf vielerlei Art und Weise.

Im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Deutschen Bundestages stellte die Delegation die von ihren Gemeinschaften verfassten "Bio-Kulturprotokolle" vor. Diese Protokolle dokumentieren erstmals die zentrale Rolle von Nomaden und Hirtenvölkern bei der Erhaltung von Ökosystemen und Nutztierrassen, sowie das dazugehörige traditionelle Wissen.

Die Nutztierhalterrechte sind ein Katalog von Prinzipien und Rechten, der den Hirten das wirtschaftliche und kulturelle Überleben ermöglichen würde. Er wurde von ihnen selbst in einem jahrelangen Konsultationsprozess erarbeitet, der 2003 begann. Die Hirten warnen, dass sie ohne diese Rechte, die zum Teil schon durch die Konvention zur biologischen Vielfalt abgedeckt sind, in Zukunft ihre wichtige Rolle als Hüter der Nutztiervielfalt nicht mehr wahrnehmen können.

Von der Bundesregierung erwarten die Delegation der Hirtenvölker und die beteiligten Organisationen, dass sie sich für die entsprechenden Prozesse und den globalen Aktionsplan bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und den Verhandlungen zur Biodiversitäts-Konvention (CBD) einsetzt. Die Importe von riesigen Mengen an Futtermitteln und Energiepflanzen aus Entwicklungsländern müssten mit Nachhaltigkeitskriterien einhergehen, die die Landnutzungs-, Wasser- und Wegerechte der Hirtenvölker respektieren.

Foto: Hausziegen © GTZ/Frank Mörschel

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