tropenwald_bras_carajas_150Berlin (epo.de). - Zum Internationalen Tag der Umwelt am 5. Juni hat Reporter ohne Grenzen (ROG) eine Studie über Umweltberichterstattung und Pressefreiheit vorgelegt. Die Arbeitssituation investigativer Umweltreporter sei schwierig und riskant, heißt es darin. Journalistische Recherchen zu den Ursachen des Klimawandels seien weiterhin mit Gefahren verbunden.

Der Bericht knüpft an eine Studie zur gleichen Thematik vom September 2009 an. Einige der bereits im ersten Bericht erwähnten Medienmitarbeiter wie der brasilianische Herausgeber der Zeitschrift "Jornal Pessoal", Lúcio Flávio Pinto, würden weiterhin juristisch verfolgt oder seien, wie der usbekische Journalist Salidschon Abdurachmanow, immer noch in Haft, berichtet ROG. Dazu komme eine Reihe neuer Fälle von gewalttätigen Übergriffen, Drohungen und Schikanen gegen Journalisten, juristischer Verfolgung von Medienmitarbeitern und Zensur. Viele der Reporter gingen umweltzerstörenden Praktiken von Öl-, Minen- und Holzunternehmen auf den Grund.

Ein Haupthindernis einer unabhängigen, tiefer gehenden Berichterstattung über Ursachen globaler Umweltprobleme ist ROG zufolge die Komplizenschaft zwischen an Ressourcenraubbau beteiligten Unternehmen und lokalen Behörden. Milliardenschwere Branchen wie die Minen-, Öl- und Holzindustrie würden häufig in besonderer Weise von Regierungen protegiert, der Informationsfluss über skandalträchtige, hoch riskante Fördertechniken und umweltschädigenden Rohstoffabbau werde unterdrückt.

Stark tabuisiert seien beispielsweise in Vietnam Berichte über den Abbau von Bauxit, berichtet Reporter ohne Grenzen.: Eine Reihe von Journalisten und Blogger, die über die hochgiftigen Schlammrückstände berichteten, seien festgenommen worden. Im Februar 2010 sei der Herausgeber der Website www.bauxitevn.info, Nguyen Hue Chi, eine Woche verhört, sein Haus polizeilich durchsucht worden. Schon seit einigen Jahren reagiere die vietnamesische Regierung mit harten Zensurmaßnahmen. Sie habe zudem das einzige Institut im Land aufgelöst, das unabhängige Analysen zum Abbau von Bauxit geben konnte.

Auch das Problem der Abholzung, das in vielen Ländern mit großen Korruptionsaffären einher gehe, sei eine Herausforderung für unabhängige Journalisten, heißt es in dem Bericht. Reporter, die sich etwa in Indonesien kritisch mit der Reduzierung der Waldflächen - seit 1950 um 70 Prozent - und illegaler Entwaldung auseinander setzten, müssten mit Repressionen rechnen. Es sei außerdem gängig, dass Holzunternehmen in dem südostasiatischen Land Journalisten bestechen, damit die Reporter kritische Artikel unterlassen.

In Nordargentinien hat sich nach Anbgaben von ROG ein Streit um die umweltschädigenden Auswirkungen von Kupferminen auf die Wasserqualität so aufgeheizt, dass Reporter auch zwischen die Fronten von Befürwortern und Gegnern des Minenprojekts geraten sind. In den Provinzen Catamarca und Chaco registrierte ROG Angriffe auf Journalisten sowohl von Sicherheitskräften, die im Dienste lokaler Politiker stehen, als auch von gewalttätigen Gegnern der Minenindustrie.

Mit seinem zweiten Bericht zu den Gefahren eines engagierten Umweltjournalismus will ROG die Rolle von Journalisten bei der Sammlung und Verbreitung von Informationen zu drängenden, globalen Umweltfragen in den Vordergrund stellen: "Angesichts der Herausforderungen des Klimawandels helfen Medien, glaubhafte und unabhängige Diagnosen zur Situation unseres Planeten zu erstellen", so ROG.

www.reporter-ohne-grenzen.de

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