unicef_report2010Berlin (epo.de). - Der Einbruch der Weltwirtschaft hat Armut, Hunger und Krankheiten bei Kindern verschärft. Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländern seien die größten Verlierer der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, heißt es im UNICEF-Report 2010 "Kinder – die Vergessenen der Finanzkrise", der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Allein 2010 werde die Zahl der Menschen in extremer Armut um rund 64 Millionen steigen, warnte das UN-Kinderhilfswerk. Tausende Kinderleben seien in Gefahr, wenn jetzt nicht gegengesteuert wird.

Einen Tag vor Beginn der G8- und G20-Gipfel in Kanada rief UNICEF die Staats- und Regierungschefs dazu auf, das Wohlergehen und die Entwicklung der ärmsten Kindern gerade angesichts der Krise stärker zu fördern. Die "Krankheiten der Armut" wie die hohe Kinder- und Müttersterblichkeit in vielen Ländern oder Aids müssten konsequenter bekämpft werden. Die Kosten für Schulbildung in den Entwicklungs- und Schwellenländern müssten verringert und die Qualität erhöht werden. Es gelte, Einkommensmöglichkeiten für die arme Bevölkerung zu schaffen und Zugang zu ausreichender Ernährung sicher zu stellen. Angesichts der Krise müsse der Schutz der Kinder vor Ausbeutung gezielt verbessert werden.

"Wenn Milliarden verfügbar sind, um Banken zu retten, Unternehmen zu stabilisieren und Subventionen für technische Entwicklungen zu gewähren, dann darf die finanzielle Unterstützung für die ärmsten Kinder nicht verringert werden. Gerade hier haben wir die Gewissheit, dass Mittel für Ernährung, Bildung und Gesundheit einen hohen Ertrag bringen: für die Kinder und die Länder, in denen sie aufwachsen. Wir brauchen einen Aufschwung mit menschlichem Gesicht", sagte Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland.

Der UNICEF-Report 2010 dokumentiert, dass extreme Armut und Ungleichheit weiter wachsen. Aktuelle Prognosen der Weltbank gehen von einem Anstieg der Zahl der Menschen in extremer Armut um 64 Millionen im Laufe dieses Jahres aus – fast 70 Prozent davon in so genannten Schwellenländern. Die Schere zwischen Arm und Reich wachse, so UNICEF. Fortschritte beim Kampf gegen die Kindersterblichkeit, beim Zugang zu Grundbildung und sauberem Wasser in den ärmsten Ländern würden deutlich geringer ausfallen als vor der Krise erwartet.

UNICEF zufolge hat sich die Ernährungssituation für die ärmsten Familien dramatisch verschlechtert. In Südasien könnten 33 Prozent der Menschen ihren täglichen Mindestbedarf an Kalorien nicht decken. Fast jedes zweite Kind sei untergewichtig. In Ländern wie Nepal, Pakistan und Afghanistan sei die Zahl der vom Hunger bedrohten Menschen 2009 drastisch angestiegen. Viele Familien müssten 60 bis 70 Prozent ihres Einkommens allein für Nahrung ausgeben.

Weiterhin hohe Lebensmittelpreise, sinkende Realeinkommen und steigende Arbeitslosigkeit träfen die Familien am härtesten, die auch schon vor der Krise am Rande lebten. Sie hätten keine "Puffer", um die Krise zu bewältigen. Deshalb erhielten Kinder weniger oder schlechtere Nahrung, müssten arbeiten statt zur Schule zu gehen oder bekämen seltener medizinische Hilfe.

Wie aus dem Geschäftsbericht 2009 hervorgeht, war UNICEF Deutschland im Jahr 2009 mit Einnahmen in Höhe von 70,6 Millionen Euro aus Spenden und dem Verkauf von Grußkarten erneut eine der wichtigsten Stützen für die weltweite UNICEF-Hilfe. Nur in Japan kamen mehr Mittel aus privaten Spenden für UNICEF zusammen.

Nach Angaben von UNICEF flossen 83,1 Prozent der Einnahmen in Deutschland in die Arbeit in mehr als 150 Ländern. 1,95 Prozent seien für die satzungsgemäße inländische Arbeit eingesetzt worden - zum Beispiel für die Kampagnenarbeit für Kinderrechte und die Bildungsarbeit in Schulen. Die Verwaltungskosten betrugen 6,05 Prozent, die Kosten für Öffentlichkeitsarbeit und Werbung 8,90 Prozent.

"Das Jahresergebnis 2009 bringt die außerordentlich große Unterstützung zum Ausdruck, die UNICEF von den Menschen in Deutschland selbst in Zeiten der Finanzkrise und unter teilweise schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen erhält. Wir danken allen Spendern sehr herzlich für ihr Vertrauen", sagte Anne Lütkes, Schatzmeisterin von UNICEF Deutschland.

www.unicef.de

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