Berlin (epo.de). - Im Vorfeld der internationalen Pakistan-Konferenz in Islamabad hat Oxfam gefordert, dass Deutschland und andere Geberländer erhebliche zusätzliche Finanzmittel für die Fluthilfe in Pakistan bereit stellen. Obwohl einzelne Regierungen und Privatspender vergleichsweise großzügig geholfen hätten, sei der Hilfe-Aufruf der Vereinten Nationen in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar bisher erst zu 43 Prozent gedeckt. Auf Einladung der pakistanischen Regierung treffen sich am 14. und 15. November Regierungsvertreter von Geberstaaten und internationalen Finanzinstitutionen, um über weitere Hilfen für den Wiederaufbau zu beraten.

Um der pakistanischen Regierung mehr finanziellen Spielraum für den Wiederaufbau zu verschaffen, forderte Oxfam zudem einen Erlass der pakistanischen Auslandsschulden. Derzeit würden etwa 30 Prozent des Staatshaushalts in den Schuldendienst fließen, so Oxfam. Deutschland habe daraus zwischen Juli 2009 und März 2010 insgesamt 15,3 Millionen US-Dollar erhalten - damit sei rund die Hälfte der deutschen Hilfsleistungen im selben Zeitraum von 30,9 Millionen US-Dollar durch Schuldendienst refinanziert worden.

"Nur weil die Medien nicht mehr so viel über Pakistan berichten, dürfen wir die Menschen dort nicht vergessen. Süd-Sindh steht immer noch weitflächig unter Wasser, und auch die anderen Regionen sind nach wie vor im Ausnahmezustand. Zwei von zehn Millionen hilfsbedürftigen Menschen erhalten noch nicht einmal Nahrungsmittelhilfe und sieben Millionen haben keine Unterkunft, obwohl der Winter kurz bevor steht", berichtete Oxfam-Geschäftsführer Paul Bendix. "Es fehlen die grundlegendsten Dinge - Unterkunft, Nahrung, Saatgut, Trinkwasser und Hygieneeinrichtungen. Werden nicht schnell und in großem Umfang zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt, droht vielen Menschen ein harter Winter mit Hunger, Krankheit und Existenznot."

Ferner komme es jetzt darauf an, in Pakistan die am stärksten von Not und dauerhafter Armut betroffenen Menschen in den Wiederaufbau einzubeziehen und darüber hinaus überfällige Landreformen zu verwirklichen, so Fatima Naqvi, Oxfam-Landesdirektorin in Pakistan: "Geschätzte 60 Prozent der Bevölkerung in der Provinz Sindh besitzen keinerlei Land und viele von ihnen sind hoch verschuldet. Die dort herrschenden feudalen Strukturen machen es für diese Menschen so gut wie unmöglich, sich selbst aus der Armut zu befreien. Deshalb unterstützen wir dort Initiativen zur Neuverteilung von Land an Kleinbäuerinnen. Derartige Programme sollten ausgewertet, weiterentwickelt und möglichst auch auf andere Provinzen ausgeweitet werden."

Insgesamt sind in Pakistan mehr als 20 Millionen Menschen von den Überschwemmungen betroffen. Weil die Ernten von zwei Millionen Hektar Land zerstört wurden und viele Flächen noch nicht wieder bewirtschaftet werden können, ist die Nahrungsmittelversorgung in Pakistan nach Angaben von Oxfam mittelfristig ungesichert.

www.oxfam.de

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