libyen_150Göttingen. - Die Volksgruppe der Toubou in Libyen kämpft entgegen den Behauptungen von Staatschef Muammar al Gaddafi nicht auf Seiten seines Regimes. Darauf hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Mittwoch in Göttingen hingewiesen. Gaddafi wolle damit bewusst verschleiern, dass er ausländische Söldner zur Zerschlagung der Protestbewegung angeheuert habe, so die GfbV.

"Entgegen der Darstellung der Regierung Libyens handelt es sich bei den dunkelhäutigen Sicherheitskräften, die in den vergangenen Tagen verstärkt gegen Demonstranten eingesetzt wurden, nicht um schwarzafrikanische Toubou aus dem eigenen Land", erklärte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. "Die Angehörigen dieser Minderheit wären die Letzten in Libyen, die einen Finger rühren würden, um das verhasste Gaddafi-Regime zu retten. Denn die Toubou werden von staatlichen Stellen massiv verfolgt und in das Nachbarland Tschad deportiert." Die GfbV engagiere sich schon seit mehreren Jahren für ein Ende der Verfolgung dieser Volksgruppe.

Augenzeugen hatten in den vergangenen Tagen aus verschiedenen Landesteilen Libyens über den Einsatz von dunkelhäutigen Sicherheitskräften berichtet, die sich nur auf Französisch verständigen konnten. "Gaddafi dürfte keine Probleme haben, Söldner aus anderen afrikanischen Staaten anzuwerben, da er Dutzende Freiheits- und Aufstandsbewegungen in Afrika finanziell, politisch und mit Waffenlieferungen unterstützt", sagte Delius.

Von Tuareg-Bewegungen in Mali und Niger über Rebellengruppen im sudanesischen Darfur, im Tschad sowie in der Zentralafrikanischen Republik unterhalte Gaddafi ein dichtes Netz von Kämpfern, die von seiner Großzügigkeit abhängig seien. "Es ist eines der dunkelsten Kapitel der Schreckensherrschaft Gaddafis, wie er diese Freiheitsbewegungen systematisch instrumentalisiert hat", so Delius. So sei es immer wieder vorgekommen, dass Aufständischen plötzlich die Unterstützung entzogen wurde, weil der libysche Staatschef wieder einmal eine Kehrtwendung in seiner Politik vollzogen habe.

Die Toubou, auch Tebu genannt, leben vor allem im Südosten Libyens. Die Angehörigen dieser schwarzafrikanischen Minderheit würden seit November 2009 systematisch vertrieben, berichtete die GfbV. Mehrere Dutzend Toubou seien verhaftet worden, weil sie dagegen protestiert hätten. Sie seien erst frei gekommen, als sie öffentlich zusicherten, nichts gegen die Zerstörung ihrer Häuser zu unternehmen. Wer Widerstand gegen die Vertreibung leiste, werde von Sicherheitskräften geschlagen. Mehr als 3.800 Toubou hätten bislang ihre Siedlungen verlassen müssen.

Schon seit Dezember 2007 entzieht Libyen nach den Erkenntnissen der GfbV den Toubou Schritt für Schritt die Bürgerrechte. Ihre Kinder dürften die Schule nicht mehr besuchen, in Krankenhäusern würden Toubou nicht mehr behandelt. Außerdem weigerten sich die libyschen Behörden, Pässe der schon seit langem in Libyen lebenden Toubou-Bauern und -Halbnomaden zu verlängern oder neue Ausweisdokumente auszustellen.

Die rund 500.000 Toubou gelten neben den Tuareg als die bedeutendste Bevölkerungsgruppe in der Sahara. Verstreut über eine Fläche von 1,3 Millionen Quadratkilometern, leben die meisten von ihnen in den Nachbarländern Libyens, im Tschad und in Niger.

http://de.wikipedia.org/wiki/Toubou
www.gfbv.de

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